Frage & Antwort

Bumblefeet - Ballenabszesse

Frage:
Mein Rattenbock Tom (16 Monate) hat durch sein vieles Herumtoben auf den Gitterstäben im Käfig Schwielen an seinen beiden Hinterbeinen bekommen, die dann plötzlich zum Wuchern begonnen haben. Er trägt jetzt auf seinen Hinterbeinen zwei etwa 5-10 Millimeter große, flache Wucherungen, die Ihn aber nicht im geringsten irritieren, herum.

Der Tierarzt hat festgestellt, dass es keine Tumore sind, sondern nur wildes Fleisch (noch kein Eiter, etc.). Operieren lässt sich so was seiner Meinung nach in diesem Ausmaß nicht, da keine Haut zum Verschliessen der Wunde nach der Operation vorhanden wäre.

Antibiotika haben die Wucherungen nur zum Nässen gebracht, jetzt bekommt er homöopathische Mittel in sein Trinkwasser. Ich habe Ihn zur Zeit allein in einem Käfig untergebracht (für untertags und für die Nacht, ohne Sägespäne, etc. nur mit Küchenrolle und jeden Tag ausmisten), damit sich keine Entzündungen bilden können, heraussen tobt er herum wie immer. Hat jemand schon Erfahrungen mit solch einem Problem gemacht?

Mit freundlichem Gruß
Günter Schaden (via e-mail)


Antwort:
Hallo Günter, eines meiner Rattenmännchen musste ich im Alter von 2 Jahren 7 Monaten hauptsächlich wegen dieser Wunden, die er allerdings bereits sehr lange hatte, einschläfern lassen, da er praktisch nicht mehr auftreten konnte.

Die Krankheit heisst "Bumblefoot", "sore hocks" bzw. medizinisch "tarsales Granulom" oder auch schlicht "Ballenabszeß". Es ist eine Infektion, die vor allem schwere Tiere, also bei Ratten die Männchen, aber häufig auch z.B. Meerschweinchen befällt.

Die Ursachen sind vielfältig, häufig kommen mehrere Faktoren zusammen: Großes Körpergewicht, körperliche Inaktivität, Haltung auf Draht oder schlechte hygienische Verhältnisse, die die Haut an den Füßen aufweichen oder sonst extrem belasten. Zusätzlich sind in der Literatur noch Leberverfettung und
Fettsäurenmangel angegeben. Das Zusammenwirken von den Faktoren oder auch nur z.B. ein Sitzen im eigenen Urin über längere Zeit kann dann Entzuendungen hervorrufen, die schlecht abheilen, weil die Wunde ständig mechanisch belastet wird.

Durch die ständige Reizung der Wunde kommt es zu den von Dir beschriebenen Wucherungen, die dunkelrot, weich und leicht verletzlich sind und enorme Größe erreichen können. Im schlimmsten Fall kann außer der Haut und den darunter befindlichen Weichteilen sogar der Knochen betroffen sein und eine Blutvergiftung (Sepsis) entstehen. Meist sind die beteiligten Keime Staphylokokken und Streptokokken, also eigentlich typische Hautkeime.

Die Infektion ist, auch laut Aussagen anderer Betroffener, fast nicht zu kurieren, ich habe aber schon gehört, dass eine Operation dauerhaft geholfen hat. Auch habe ich gehört, dass Tiere gesundeten, als sie keine Zeitungen mehr als Einstreu hatten. Deswegen lautet der Vorschlag, dass die Tiere peinlichst sauber und sehr, sehr weich (also z.B. auf Handtüchern, die täglich ausgetauscht werden) gestellt werden.

Wenn die Wunden aufplatzen, während das Tier an den Gitterstäben turnt, dann kann man versuchen, für eine Zeitlang die Ratte in ein Terrarium ohne Klettermöglichkeiten am Gitter zu setzen - vielleicht entlastet dies die Wundflächen stark genug für eine Abheilung. Man kann - und sollte auch - mit seinem
Tierarzt zusammen versuchen mit Antibiotika die Infektion zu behandeln. Doch ohne die begleitenden oben genannten Maßnahmen ist die sowieso schon geringe Aussicht auf Heilung noch kleiner, denn Ballenabszesse neigen dazu, chronisch zu werden.

Was man auf die Abszesse selbst an Salbe, Creme oder Emulsion schmieren soll, sollte man mit dem Tierarzt, der im allgemeinen die größere Erfahrung in der Wundbehandlung hat, zusammen erarbeiten. Als grobe Leitlinie kann gelten, dass feuchte Wunden feucht, trockene Wunden trocken behandelt werden. Ich selbst habe (fast 2 Jahre lang täglich!) von Bachblüten-Salbe über Bepanthen, homoeopathische Calendula- und Cardiospermum-Salbe, Topic-Spray, antibiotikahaltige Salben (die noch am besten waren) und Betaisodona-Lösung alles ausprobiert und hatte leider nie eine dauerhafte Besserung erreicht.

Dir wünsche ich mehr Erfolg als mir bei der Behandlung der "Bumblefeet"!
Eva Haiduk, München
Felicitas Ingendahl, Gießen
Andrea Jäger, Gießen