Dr. Ratte: Ratten im heißen Auto

Ob Urlaubsreise oder Tierarztbesuch ­ wenn man seine Ratten an heißen Sommertagen transportieren muß, sind Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, damit die Tiere keinen Hitzschlag erleiden. Wie schnell ist im Auto eine Temperatur von 40 Grad oder mehr erreicht, die für Ratten tödlich sein kann!

Hohe Temperaturen vertragen Ratten sehr schlecht. Hitze ist für sie viel gefährlicher als Kälte. Bereits 26 Grad Wärme kann den Organismus beeinträchtigen. Temperaturen von 40 Grad überleben Ratten nur, wenn sie Möglichkeiten zur Abkühlung haben.

Gleichwarme Tiere, zu denen auch Ratten gehören, halten ihre Körpertemperatur stets auf einem bestimmten Niveau. Bei hohen Umgebungstemperaturen erhitzt sich der Körper und die Tiere müssen zur Regulation ihrer Körpertemperatur Wärme abgeben. Das funktioniert bei Ratten nur mit einigen Einschränkungen.

Wärme wird zum einen - bei verstärkter Durchblutung- über die Haut abgegeben, was aber nur an unbehaarten Körperstellen, wie Pfoten, Ohren oder Schwanz, einigermaßen effektiv ist, da das Fell die Wärmeabgabe behindert. Diese unbehaarten Regionen sind im Verhältnis zur fellbedeckten Körperoberfläche natürlich nur sehr klein.

Die wirksamere Art der Abkühlung wäre die Verdunstung von Wasser auf der Haut (Erzeugung von Verdunstungskälte). Da Ratten aber keine oder fast keine Schweißdrüsen haben (die Angaben hierzu sind unterschiedlich), können sie, anders als der Mensch, nicht schwitzen.

Bei Tieren, die keinen Schweiß absondern, ist die Wasserdampfabgabe über die Atemluft wichtig. Der Atem geht dann schneller und die einzelnen Atemzüge sind flach. Die warme Atemluft verdunstet an der Oberfläche von Lunge, Nase, Mund und Zunge, wodurch Wärme aus dem Körper abgeführt wird. Weil aber Ratten nicht mit herausgestreckter Zunge hecheln können wie ein Hund, sind sie auch bei dieser Form der Wärmeregulation benachteiligt.

Zur Unterstützung der Abkühlung speicheln Ratten vermehrt und lecken sich dann bevorzugt die unbehaarten Stellen des Körpers. Auch legen sich die Tiere lang ausgestreckt hin, damit Wärme über eine möglichst große Oberfläche abgegeben werden kann.

Manche Ratten kühlen sich auch ab, indem sie die "Arme" in Wasser tauchen und sich damit das Fell befeuchten. Bei großen und schweren Ratten, also vor allem Böcken, ist das Verhältnis von Körperoberfläche zu -volumen ungünstig. Sie sind demzufolge noch hitzegefährdeter als kleine, leichte Tiere.

Gelingt es einem Tier nicht, sich entsprechend abzukühlen, erleidet es einen Hitzschlag. Die Ratte liegt apathisch da, die Augen sind weit geöffnet und sie atmet stark. Das Tier kann ins Koma fallen und sterben. Todesursache ist zumeist Herz- oder Nierenversagen.

Kann man es nun nicht vermeiden, seine Ratten sommerlichen Hochtemperaturen auszusetzen, kann man ihnen auf verschiedene Art und Weise helfen, die Reise unbeschadet zu überstehen:

  • Als Transportboxen keine Behälter aus Kunststoff oder Glas verwenden (Wärmestau!), sondern Hamster- oder Mäusekäfige mit Gittern.
  • Möglichst während der kühlen Zeit des Tages (los-)fahren, dann ist auch das Auto noch nicht aufgeheizt.
  • Käfig mit einem Tuch, Pappe o.ä. beschatten, aber dabei die Luftzirkulation nicht behindern.
  • Für etwas Luftbewegung sorgen, denn eine stehende Luftschicht um das Tier bewirkt, dass die Wärme nicht richtig abgeführt werden kann. Vorsicht, wenn sich die Rattenbande eng gedrängt in ein Häuschen zurückzieht!
  • Ständig Trinkwasser anbieten ­ selbst wenn die üblichen Kugelflaschen durch das Schütteln im Auto tropfen, ist ein bißchen Feuchte in der Streu nicht so tragisch wie zu großer Wasserverlust der Ratten.
  • Tiere von Zeit zu Zeit mit Wasser besprühen, z.B. mit einer Blumenspritze und in den Pausen den Ratten eine Schale mit Wasser aufstellen, in der sie "planschen" können.
  • Eis-Akkus, wie man sie in Kühltaschen verwendet, an eine Stelle im Käfig legen und mit einer (dünnen) Schicht Streu oder Zeitungspapier abdecken, so dass die Ratten sich einen kühlen Untergrund wählen können. In der Kühltasche ist neben den kalten Getränken für die Menschen sicher auch noch Platz für einige Vorrat-Akkus.
  • Bei Pausen das Auto im Schatten abstellen und die Tiere, schreckhafte natürlich samt Käfig, herausnehmen.
  • Nicht das schlechteste: sich ein Auto mit Klimaanlage beschaffen.

Sollte eine Ratte trotz aller Vorsorge doch hitzegeschädigt sein, das Tier nicht aufregen, in kühlem Wasser baden oder mit kühlen feuchten Tüchern bedecken. Reichlich Trinkwasser mit etwas Salz versetzt anbieten.

Ein Besuch beim Tierarzt ist sicher nie verkehrt. Dieser kann Injektionen gegen den Flüssigkeitsverlust sowie herzstärkende Medikamente verabreichen. In schlimmen Fällen können durch die Überhitzung Herz- oder Nierenschäden zurückbleiben und das Tier kann daran sterben.

Euer Dr. Ratte