Die Ernährung von Farbratten

Zusammensetzung und Fütterungshinweise

In der letzten Zeit wurden häufiger Fragen zur richtigen Ernährung von Farbratten gestellt. Deshalb möchte ich etwas zur gesunden Ernährung von Ratten beitragen. Die Ernährung der Farbratten setzt sich in der Regel aus Trockenfutter (Grundfutter), Frischfutter (Obst u. Gemüse) und Leckerlis zusammen.

Da Ratten (im Tierversuch ermittelt) ca. 12 x am Tag Nahrung zu sich nehmen, ist es erforderlich, dass den Tieren immer Futter zur Verfügung steht. Den der Großteil der Mahlzeiten (ca. 8 x) wird in der Dunkelphase aufgenommen, daher sollte der Wechsel des Grundfutters immer abends erfolgen.

Zur Zeit wird viel darüber spekuliert, ob eine Reduktion des Futters den Ratten zu einem längeren Leben verhilft. Diese Behauptung kann ich in dieser Form nicht nachvollziehen. Denn bei alleiniger Reduktion der Futtermenge besteht die Gefahr einer Mangelversorgung mit Nährstoffen, welche für den Stoffwechsel der Ratten erforderlich sind. Die in den Versuchen gemachten Erfahrungen beziehen sich auf eine optimale Zusammensetzung des Futters, welche bei uns in der Praxis nicht erreichbar ist.
Eine für uns praktikable Form der ausgewogenen Futtergabe möchte ich hier vorstellen.

Die Nahrung setzt sich aus Kohlenhydraten, Fetten, Eiweißen, Vitaminen und Mineralstoffen zusammen. Sie alle sind für den Stoffwechsel und die Aufrechterhaltung der Körperfunktionen notwendig und müssen regelmäßig mit dem Futter aufgenommen werden.

In der Natur kommen Eiweiße und Fette häufig als Energiekombination vor (z.B. Nüsse, Kürbiskerne, Sonnenblumenkerne, Milch und Käse). Wie wir wissen, mögen Ratten diese Futterbestandteile lieber als alles andere. Wenn das Futter nun zu früh (es sind noch viele Körner im Futternapf) gewechselt wird, erzieht man sich einen Futterspezialisten, welcher nur noch best. Futterkomponenten frißt. Außerdem verschieben sich die aufgenommenen Bestandteile in Richtung von Eiweißen und Fetten. Dieses ist ungünstig, da im Versuch erwiesen ist, dass bei einem Eiweißanteil im Futter ab ca. 20% die Krebsrate sehr stark ansteigt. Und diesen Effekt wollen wir ja vermeiden. Bei all diesen Überlegungen ist es wichtig, sich nicht nur das Grundfutter, sondern alle Futterbestandteile anzusehen. Denn während die Leckerlis häufig besonders viele Eiweiße und Fette erhalten, ist dies im Frischfutter nicht der Fall. Um also eine ausgewogene Ernährung sicherzustellen, ist besonders das Grundfutter nicht mit zusätzlichen fett- u. eiweißreichen Komponenten anzureichern. Daher sind neben dem Grundfutter auch die zusätzlichen Gaben von Nüssen, Käse, Joghurtdrops usw. zu überprüfen.

Wie kann ich nun aber darüber hinaus eine gute Ernährung für meine Ratten sicherstellen? Das Futter sollte möglichst aus vielen unterschiedlichen Bestandteilen zusammengesetzt sein. Dies verhindert eine Futterspezialisierung und das Futter ist auch nach langer Zeit für die Ratten noch interessant. Bei der Zusammensetzung des Futters sollte darauf geachtet werden, dass jedes Tier die gleiche Chance der Aufnahme aller Bestandteile erhält. Dies vermeidet zum einen Prügeleien, zum anderen regelt sich die ausgeglichene Ernährung von alleine. Die Ratten nehmen sich als erstes die Kürbiskerne, danach die Sonnenblumenkerne, danach... (Die Reihenfolge ist wohl jedem bekannt.).

Die Frage lautet nun, wieviel fressen meine Ratten eigentlich am Tag? Bei "normalen" Tieren reicht die Kontrolle des Futternapfes. Ist dieser leer, werden die Spelzen entfernt, der Napf gereinigt und mit der gleichen Menge Futter aufgefüllt.

Bei "Bunkerratten" ist das Ermitteln der täglichen Futtermenge aufwendiger. Hier habe ich gute Erfahrung mit dem Aufhängen einer der ungeliebten Nagerstangen gemacht. Diese dient als Anzeiger, ob das Futter reicht. Denn die Ratten verzehren erst das lose Futter im Käfig und gehen dann erst an die Knabberstange. Auch hier wird täglich eine genau abgemessene Futtermenge in den Napf gefüllt. Wenn am nächsten Tag noch Futter im Käfig oder Napf ist, wird die tägl. Futtermenge so lange verringert, bis die Knabberstange angefressen wird. Dann ist die richtige Futtermenge bestimmt und kann beibehalten werden.

Die von mir beschriebene Form der Futtergabe wird 'restriktive Ernährung' genannt. Sie ist optimal, um den Tieren eine ausgeglichene Kost zu geben und sie gesund zu erhalten. Es ist auch möglich, das Futter nur alle zwei Tage auszutauschen, aber länger sollte es aus hygienischen Gründen nicht (regelmäßig) im Käfig bleiben. In diesem Fall gelten alle gemachten Angaben für diesen Zeitraum. Der Wechsel nach zwei Tagen empfiehlt sich besonders bei Einzeltieren und Paaren, da hier die zu ermittelnden Futtermengen zu klein sein könnten.

Selbstverständlich wird den Ratten auch während der Zeit des Ausprobierens der Futtermenge immer Frischfutter und ausreichende Bewegung angeboten. Wenn bei dieser Form der Fütterung mehr Reste im Napf zurückbleiben als üblich, obwohl nicht mehr Frischfutter gegeben wurde als sonst, sind die Ratten dieser Käfiggruppe genau auf mögliche Krankheitszeichen hin zu untersuchen.

Ich hoffe, dass diese Ausführungen eine Hilfe zum Thema Rattenernährung darstellen und viele Anfragen damit geklärt sind. Auch Lesern, welche meinen, sie hätten übergewichtige Ratten, möchte ich die restriktive Ernährung empfehlen. Genauer werde ich die Reduktionskost von Ratten in einem der nächsten RattGeber beschreiben.