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Die
Ratte wird alt ...
über
Symptome und Alterserscheinungen
Alter
bringt nicht immer Krankheiten mit sich, aber von unangenehmen Begleiterscheinungen
des Alterns bleibt wohl kaum ein Tier verschont.
Das erste Anzeichen, dass Ratten alt werden, im Schnitt mit 11/2 - 2
Jahren, ist meist die geringere Beweglichkeit. Sie laufen nicht mehr
so viel und das Klettern geht nicht mehr so gut. Da Abstürze bekanntlich
böse enden können, sollte man im Rattenheim Vorsorge treffen
und die Klettermöglichkeiten einschränken oder es möglichst
absturzsicher einrichten. Nicht selten tritt sogar eine extreme Schwächung
oder eine Lähmung der Hinterbeine auf (s. RG30, Alterslahmheit).
Haut
und Haar:
Auch das Putzen und Kratzen kann alten Tieren Schwierigkeiten bereiten,
vor allem wenn eine Ratte beleibt ist. Manche Stellen erreicht sie dann
einfach nicht mehr, wie z.B. den Rücken oder den Schwanz. Ein bisschen
Frisieren wird oftmals gerne angenommen. Manche unkastrierten
Böcke entwickeln am Rücken orange Haut mit Schuppen und fettigen
Haaren, die auch ausfallen können. Das ist nichts zum Beunruhigen,
aber als ich das das erstemal sah, ließ ich vorsichtshalber auch
vom Tierarzt prüfen, dass keine Parasiten im Spiel waren. Eine
gelbe Hautschicht kann in seltenen Fällen allerdings auch durch
Nierenerkrankungen hervorgerufen werden.
Ausscheidungen:
Manchmal funktionieren die kleinen Geschäfte nicht
mehr richtig. Vermutlich kann der Urin nicht gehalten werden. Besonders
Böcke sitzen dann mit nassem verklebten Hinterleib in ihren Ausscheidungen
und können sich selbst nicht reinigen. Trotz Gezeter ist hier mindestens
einmal täglich Waschen angesagt. Die Haut entzündet sich sonst
und außerdem ist es unhygienisch. Die Harnöffnung kann bei
Böcken mit einer weißlichen Substanz, dem Smegma, verklebt
sein, das man ebenfalls regelmäßigst entfernen muss, bevor
vielleicht Infektionen auftreten. (Smegma besteht aus Sekreten, abgestorbener
Haut und Bakterien.)
Krallen und Zähne:
Durch den selbstgewählten Bewegungsmangel können sich die
Krallen nicht richtig abnutzen. Ich denke, man muß abwägen,
ob man sie vom Tierarzt kürzen läßt oder nicht. Im Zoohandel
gibt es spezielle Nagelscheren für Tiere - wer geschickt
ist, kann diese Prozedur also auch selber durchführen. Für
die meisten Tiere bedeutet das Stress, den man ihnen nach Möglichkeit
ersparen will. Aber bevor die Krallen die Fußhaltung verändern,
einwachsen oder sich ringeln, ist das Kürzen unumgänglich.
Ganz besonders sollte man auf die Zähne achten. Bei einem meiner
Alten waren einmal, innerhalb von Tagen, die unteren Nagezähne
wahnsinnig lang geworden, zum Teil gesplittert und spitz wie Nadeln.
Die Ratte war ein sehr ruhiges Tier und der Tierarzt konnte die Zähne
leicht kappen. Ich hatte bis dahin nichts von den kariösen Zähnen
bemerkt. Hauptschuldig an der Karies war wohl der gezuckerte Joghurt,
den ich damals regelmäßig fütterte, weil sie den ja
so gern mögen...
Lang
können die Zähne aber auch werden, weil alte Ratten in der
Regel nicht mehr so gerne hartes Futter fressen. Es ist ihnen wohl zu
anstrengend. Oft fällt es ihnen schwer, das Futter in beide Vorderpfoten
zu nehmen - sie verwenden dann nur eine Pfote oder, noch lieber, fressen
Joghurt, Babybrei und weiche Haferflocken, wozu sie sich gar nicht mehr
aufzustützen brauchen. Durch die eingeschränkte Futteraufnahme
können ihnen eventuell auch Vitamine abgehen. Zuführen ist
sicher sinnvoll. Allerdings mögen nicht alle Ratten die extra für
Tiere hergestellten Vitaminpräparate. Eine Möglichkeit wäre,
auf Präparate für Menschen auszuweichen, die von denen man
im Gegensatz zu den Tierpasten nur ganz geringe Mengen füttern
muß. Absprache mit dem Tierarzt ist in diesem Fall sinnvoll, vor
allem wegen der Dosierung. Viel ist meist zuviel...
Ein Grund für den geringeren Appetit kann auch ein Nachlassen des
Geschmacks- oder Geruchssinns sein. Auch die anderen Sinnesleistungen
können abnehmen - schlechteres Seh- und Hörvermögen ist
keine Ausnahmeerscheinung.
Wie
man alten Tieren helfen kann, wieviel man sie pflegen muß, ob
sie noch in der Gruppe an ihr Futter kommen oder ob man sie zum Fressen
von den anderen trennen sollte, das hängt vom einzelnen Tier ab.
Was aber für alle alten Tiere wichtig ist, ist eine gewisse Routine
im Tagesablauf mit wenig Streß, regelmäßige Bewegung
und gute Fütterung.
Und was natürlich auch alle alten Tiere brauchen - vielleicht ist
es überflüssig das zu erwähnen - ist unverminderte liebevolle
Zuneigung. Die Reaktionen von uns Menschen auf Alter und Krankheit stehen
dem oftmals entgegen. Und das nicht nur im Umgang mit Ratten. Möglicherweise
mag es für manche Menschen zu aufwendig oder unappetitlich
sein, ein altes Tier zu pflegen. Möglicherweise meinen manche Menschen
es nicht ertragen zu können, das Tier alt, krank und gebrechlich
zu sehen und geben das Tier ab oder beschränken den Umgang mit
ihm auf ein Minimum. Altern und Tod gehören zum Kreislauf des Lebens.
Es nützt nichts, die Augen davor zu verschließen. Man macht
es den Betroffenen und sich selbst nur noch schwerer. Ich denke, gerade
von so kurzlebigen Tieren wie Ratten können wir viel lernen über
Altern, Sterben - und Neubeginn.
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