Dr. Rattes Sprechstunde - Rote Tränen und Blutnase

Hallo Leute, diesmal habe ich Informationen zu einem sehr, sehr rattenspezifischen Gesundheitsthema, das häufig von Besitzern und auch vielen Tierärzten falsch interpretiert wird.

Zumeist wärend einer akuten Erkrankung wie z.B. einer Erkältung fällt zum ersten Mal auf, dass die Ratte blutige Tränen hat oder aus der Nase blutet.

Nasenbluten? Über Wochen und Monate? Ist das vielleicht ein Hinweis auf einen Lungentumor? In der Regel: Nein!

Die roten Tränen oder auch das blutige Niesen sind Phänomene, die zusammengehören und meines Wissens nur wenigen Tierarten zueigen sind. Wanderratten besitzen im Augenbereich je eine kleine Drüse (Harder' sche Drüse), die, wenn es dem Tier nicht gut geht (Krankheit, falsche Ernährung, Alter usw.) von der Produktion eines klaren Sekrets auf die Produktion eines rötlichen Sekrets umstellen . In Fachchinesisch heißt dies Chromodakryorrhoe (wörtlich übersetzt: Farbiger Tränenfluß). Diese Umstellung von klar auf rötlich erfolgt sehr früh, häufig ist es das allererste Symptom überhaupt, das auf eine Veränderung des Gesundheitszustandes des Tieres hinweist.

Man kann es am besten vielleicht mit der "Abgeschlagenheit" von uns Menschen vergleichen: Man sieht, dass der Gegenüber ein bissel blasser oder müder wirkt als sonst ? dies kann aber zwischen einem schlechten Schlaf und dem Auftakt zu einer dicken Erkältung alles bedeuten, es ist nicht möglich, hiervon Rückschlüsse auf den Grund der Abgeschlagenheit zu ziehen Nun zurück zu den Rattis: Da die Augen mit einem Gang wie bei uns Menschen mit der Nase verbunden sind, durch die das Sekret abfließen kann, färbt sich so auch der Nasenschleim rötlich an. Bei hellen Tieren sieht man es meist zuerst im Fell, wenn die Tiere sich sich putzen und den Schleim oder Tränenflüssigkeit ungewollt über das Köpfchen verteilen. Bei dunkleren Tieren fallen am ehesten die Spritzer im Häuschen auf, wenn die Ratte niest (was Ratten sehr häufig tun, damit sie irgendwelchen Staub aus der Nase bekommen).

Häufig stellt sich dann später die Frage: Die Krankheit ist jetzt vorbei, der Ratte geht es gut, warum niest das Tier aber immer noch rot? Diese Frage ist mit meinem momentanen Wissen nicht sicher zu beantworten, es gibt aber zwei mögliche Erklärungen:

  • A) Die Ratte hat durch die überstandene Krankheit Schäden zurückbehalten, die zwar für uns nicht sichtbar sind, aber trotzdem vorhanden sind (zum Beispiel eine eingeschränkte Lungenfunktion nach einer Lungenentzündung).
  • B) Die Drüsen stellen schon sehr frühzeitig auf das rötliche Sekret um, stellen sich aber nach der Erkrankung nicht mehr wieder um.

Welche der Erklärungen tatsächlich zutrifft, weiß ich nicht und konnte ich bislang auch noch nicht in Erfahrung bringen, jedoch weiß ich aus den Erzählungen vieler Besitzer, dass ihre Tiere ihr Leben lang weiterhin das rötliche Sekret absondern.

Was heißt dies nun für uns Rattenhalter?
Wenn eine Verfärbung der Tränen neu auftritt, kann das der Hinweis auf eine schwere Erkrankung sein... aber vielleicht auch nicht. Also sollte man das Tier in nächster Zeit genauer beobachten, um eine ernsthafte Erkrankung schnell erkennen zu können. Wenn nach überstandener Krankheit die Tränen weiterhin rot sind...muß man das Tier auch genauer beobachten, um eine ernsthafte Erkrankung schnell erkennen zu können.
Ihr seht: Im Endeffekt läuft es darauf hinaus, das zu tun, was ein verantwortungsvoller Rattenhalter sowieso schon tut: Eine genaue Beobachtung seiner Schützlinge. Nur, dass man jetzt weiß, dass rotes Niesen nicht unbedingt etwas mit den Atemwegen zu tun haben muß, sondern auch der erste Hinweis auf beispielsweise Darmprobleme oder eine Blasenentzündung sein kann.

Mal ganz praktisch gesehen empfiehlt es sich, Holzhäuschen gegen handelsübliche spülmaschinenfeste Plastikhäuschen auszutauschen um sie so wöchentlich gründlich spülen zu können.

Euer Dr. Ratte