Ultraschall
Kommunikation bei Ratten
Wir Rattenfans
reden schon lange und mit einer gewissen Selbstverständlichkeit darüber,
dass unsere Haustiere einen "Demutsschrei" draufhätten, der gelernt
werden müsse, und auch sonst setzen wir die dauernde Verständigung
mittels Ultraschall-Tönen bei Ratten voraus.
Diese Frage beschäftigte uns von der Giessener ReG ziemlich. Irgendwann
haben wir und also einen Ultraschall-Detektor von der "Fledermaus-AG"
der Uni Marburg ausgeliehen und auf einem ReG-Treffen zwischen die neun anwesenden
Ratten gehalten. Wegen sehr viel Krach aus den Kneipen-Lautsprechern und weil
wir noch keine einzige der zu erwartenden Frequenzen kannten, hörten wir
auch nicht viel. Klar wurde an diesem Abend nur: Ratten schwätzen nicht
die ganze Zeit unhörbar über ihre Besitzer.
Ich fand den Abend noch zu kurz und begann also, kaum dass ich wieder zuhause
war, mit einer mitternächtlichen Testreihe am heimischen Käfig. Während
ich durch die Frequenzen scannte, drang bei "20kHz" aus einer putzenden
Ratten-"Alt-Neu"-Kombi-nation ein Ton, den ich nur über Kopfhörer
und nicht ohne hören konnte! Mehrfach überprüfte ich das, indem
ich den Kopfhörer abnahm und wieder aufsetzte. Tatsache - ich hörte
einen Ultraschallschrei.
Nun "putzte" ich ein bisschen mit, und alsbald sang ausgerechnet der
kastrierte Notfallbock "Bock" eine superlaute Arie, während ich
ihn im Nacken kraulte und er bewegungslos flach an der Wand ausgestreckt lag.
Ohne Kopfhörer sah man ihn nur "atmen". Nach zwei Minuten startete
er durch und verschwand in einem Karton, wo er noch vier Minuten weiterpfiff
- jedesmal, wenn er die Finger sehen konnte, sang er SEHR laut.
Mary "Na wenn's UNBEDINGT sein muss" machte eher leise "zick
zick zick" in der gleichen Frequenz und begleitete das Ganze durch Abwehrtritte,
Nagen an Haaren und Kleidung. Erst nach einer Minute ließ auch sie sehr
leise den etwa 2 Sekunden langen, zum Ende hin in Stufen abfallenden Pfiff hören,
den ich vorher bei Bock ausgiebigst gehört hatte.
Der
Rest der Mannschaft sagte nichts (außer Zähneknirsch- und Streu-
Raschelgeräuschen), und ich hab den Versuch dann beendet.
Später, als ich dank Literatur noch viel schlauer geworden war (man sollte
die Stichworte einfach in englisch in die Internet-Suchmaschine eingeben statt
in deutsch...), konnte ich auch bei der Husky-Kampfzecke Jodie sehr leise und
kurze "Sexual-Lockrufe" bei 50 kHz vernehmen (sie war "heiß",
sie ist mir quasi in der Hand geschmolzen).
Wenn ich überhaupt nicht mitgeputzt habe, machte nur Jodie jedesmal ein
Geschrei, sobald sie Bock, den sie überhaupt nicht leiden konnte, irgendwo
ausfindig gemacht hatte. Sie suchte ihn regelrecht, um ihn vollzuschreien.
Die Ratten zeigten dabei eine ziemliche Varianz, manche "tönten"
überhaupt nicht und manche (wie Jodie) sind wahre Schwätzer im hörbaren
UND unhörbaren Bereich. Manche sind fürchterlich laut (Bock) und manche
leise.
Was meine ich
aufgenommen zu haben?
Von der Literaturbeschreibung sind die meisten Töne, die ich aufgenommen
habe, "Wutschreie". Sie könnten allerdings auch "Demutsschreie"
sein, was ich teilweise aufgrund der Situationen ausschließen möchte.
Vom Frequenzbereich konnte ich sie, falls unterschiedlich, jedenfalls nicht
auseinanderdröseln, da mir keine genaue Beschreibung des "Demutsschreis"
vorlag und der verwendete Detektor einen Hörbereich von 10 kHz abdeckt
- alle Töne von 15-25 kHz kann man also theoretisch mit der Einstellung
"20" abhören. Der Frequenzbereich "Demut" liegt allgemein
höher als der "Wut", bei der Arie "Bock", gehe ich
davon aus, dass beide Rufe durcheinander schwanken. Es kann sein, dass er immer
dann, wenn die "bösen Finger" ins Gesichtsfeld kommen, von "Wut"
auf "Demut" schwenkt...
Schreie von nestjungen
Rattenwelpen konnte ich wegen Mangel an solchen nicht dokumentieren, Begattungs-
und sonstige "Sexschreie" verhallten zuerst wegen Unkenntnis der zu
erwartenden Frequenz(en) und waren selbst bei Kenntnis nur bei sehr genauem
Zuhören wahrzunehmen.
Ultraschall als Kommunikations-mittel
Warum verwenden Tiere Ultraschall?
Säugetiere
verwenden Ultraschall aus verschiedenen Gründen: den bekanntesten haben
wohl die Fledermäuse, die die hochfrequenten Töne nutzen, um mittels
der zurückgeworfenen Echos ein Hindernis oder Beutetier genauestens "ab-zu-tasten".
Fledermäuse haben ein erstaunlich perfektes Gehör entwickelt und können
durchaus noch Oberflächen-Unterschiede von einem Zehntausendstel Millimeter
erkennen!
Die zweite Gruppe verwendet Ultraschall zur Kommunikation über kurze Distanzen
- hauptsächlich Nager und andere kleine "Beute"-tiere. Sie "profitieren"
davon, dass Töne mit hoher Frequenz nicht sehr weit tragen und z.B. schon
ein Grasbüschel ausreicht, den Schall so zu zersplittern, dass eine Ortung
der Schallquelle unmöglich wird. Dies ist natürlich sinnvoll bei der
Paarung oder am Nest mit den Jungen.
Zu welchen Gelegenheiten benutzen Ratten Ultraschall?
Ratten gehören
zur zweiten Gruppe "User", das heißt, sie brüllen sich
meist aus unmittelbarer Nähe ihre Botschaften zu und loten weniger die
3D-Landschaft als das Gefühlsleben des Gegenübers aus.
Im wesentlichen erzählen sie sich bei drei Gelegenheiten was, die immer
mit Aufregung zu tun haben: bei der Paarung (verschiedene Töne, je nachdem,
ob vor, während, oder danach), bei Konfrontationen, und wenn sie klein
sind und wegen irgendetwas Angst haben.
Die Tabelle auf der vorigen Seite zeigt, welche Schreie ich in der Literatur
"aus-machen" konnte: (selbst gehörte mit * markiert).
Orientieren sich Ratten per Ultraschall?
Eher nicht - Versuche mit blinden Ratten in Labyrinthen mit 90° und 45° geneigten Wänden ergaben, dass Ratten sich durchaus mit den Ohren orientieren. Allerdings wurden Ultraschall-Laute viel zu selten ausgestoßen, um als Peilsystem zu funktionieren. Vermutlich reichen blinden (oder im Dunkeln aktiven) Ratten zur Orientierung die normalen Echos, die von Wänden widerhallen, auch blinde Ratten können nur mit akustischer Orientierung zwischen zwei 15-20 cm auseinanderstehenden Platformen hin- und herspringen.
Ultra"schwallen" Ratten ständig?
Das für mich verblüffendste Testergebnis sei hier angeführt: nein, Ratten erzählen sich nicht permanent gegenseitig ultramäßig das Ohr ab. Ultraschall ist keinesfalls die "Ratten-Alltagssprache". Auch lautstarke Schrei- und Tob-Kämpfe im Käfig sind nicht notwendig mit Ultraschall-Einsätzen verbunden.
Wie misst man
Schall und speziell Ultraschall?
Erklärung(sversuch) der Technik
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Für
Menschen hörbarer Schall kann natürlich problemlos mit einem
normalen Mikrofon und einem Cassettenrecorder o.ä. aufgenommen und
wieder abgespielt werden. |
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Die ganze Ultraschall-Diskussion ist natürlich aus noch einem häufig mit Ratten / Mäusen in einem Atemzug genannten Grund interessant, und der ist folgender Natur:
Sind Ultraschall-Sender wirksam gegen Ratten und Wühlmäuse?
"nur in Verbindung
mit Blitzlicht und Fotografieren", glaubt zumindest mit bedauerndem Unterton
HikE:
"Nach den vorliegenden Ergebnissen kann nur mein Blitzgerät Ratten
verscheuchen, aber auch nur meine eigenen Ratten."
Ultraschall-Sender werden meistens mit der "Alarmschrei-Hypothese"
zusammen verkauft, d.h. der Benutzer glaubt, damit ein "Beispiel-tier in
Todesnot" in seinen wühlmausgeplagten Rabatten zu installieren und
somit alle Nager abzuschrecken. Diese Individuen übergreifende "Alarm"-Methode
funktioniert anscheinend nicht mal bei den geistig wenig agilen Wühlmäusen
in einer dauerhaften und zufriedenstellenden Weise. Wie sollte sie da bei "Rattenbefall"
klappen? Die normale Ratte rennt dreimal weg, bleibt zweimal stehen und kommt
einmal näher an die Störquelle, um es überspitzt zu formulieren.
Sie stellt sich bei Dauerreizung aktiv auf die Umgebung ein und reagiert auf
"lebensfeindliche Faktoren" im Grunde wie der Mensch auf Diät:
je öfter ein plötzlicher "Katastrophe-ist-eingetreten!"-Reiz
da ist, desto mehr passt sich das Lebewesen an die "Katastrophe" an.
Der Mensch lernt, Fett effektiver in den Zwangschlank-Körper einzubauen,
und die Ratte lernt, dass Ultraschall-Gedröhn belanglos ist. Außer
bei meinem Blitzgerät da gibt`s anscheinend keinen Gewöhnungseffekt...
vielleicht sollte man Ultraschallsender mit Fotoapparaten kombinieren?
Kann man Ratten mit bestimmten Tönen locken oder scheuchen?
Sicherlich reagieren Ratten mit ihrem Hör-Optimum bei 15-34 kHz SEHR deutlich
auf bestimmte Töne. Allerdings musste ich feststellen, dass es keinen künstlich
erzeugten Ton gibt, der als Absoluter Ekelfaktor / Absoluter Alarmton eine lange
Karriere hat. Ratten gewöhnen sich verdammt schnell an verdammt viele Töne
(und ihre unterschiedlichen Bedeutungen).
Ratten lehnen laut Literatur im Versuch kurze Laute und Frequenzen über
44 kHz deutlich ab. Langlaute und rhythmische Lautfolgen werden bevorzugt.
Ratten hören am liebsten Metronom-Tempi zwischen 72 und 100, schnellere
Tempi (Techno) mögen sie nicht. [Tembrock] (meine Musik mögen sie
trotzdem nicht, sie tanzen nicht dazu...)
Wenn ihr jemals
Gelegenheit habt, Euch einen Fledermaus-Detektor auszuleihen (z.B. bei örtlichen
Naturschutz-Gruppen), tut es - speziell dann, wenn Ihr beabsichtigt, zwei neue
Tiere aneinander zu gewöhnen. Ihr werdet mit ein bisschen Glück zwischen
18 - 25 khz Frequenz Pfeiftöne vernehmen, die von der "bedrohten"
oder auch der "genervten" Ratte zum Besten gegeben werden, ohne dass
man irgendein anderes Geräusch von dem Tier hören kann, was schon
faszinierend zu beobachten ist - besonders wenn man einen Ohrplöppel einsteckt
und einen draußen läßt.
Des weiteren solltet Ihr den Detektor mal auf Neonlampen und andere elektrische
Geräte halten - die Esoteriker behaupten, schädliche Ultraschall-Belärmung
mache einen kaputt, und wie immer gibt es "wissenschaftliche" Gegenstimmen,
die behaupten, was man nicht hört, das einen nicht stört (andererseits:
wer schafft seine Ratten ab, weil sie SEHR durchdringend im Ultraschallbereich
pfeifen können?).
Na ja, wie auch immer: Eure Ratten können solche Geräusche hören (und wie mehrfach angedeutet, auch spezifisch darauf reagieren - warum werden meine Fotos nie was? - ), und insofern ist ein Exkurs in die Hörwelt der Ratten mal sehr spannend!
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LITERATUR:
BEZUGSADRESSE ULTRASCHALLKONVERTER: http://www.elv.de |
Autor: Heike Worth