Tellington Touch für Ratten

Liebevoll heilen und lernen

Warum beißt meine Ratte? Wie kann ich meinem Tier helfen, sich wieder besser zu bewegen? Solche und ähnliche Fragen stellt sich so manche(r) Rattenbesitzer(in). Für ausweglos erscheinende Situationen, und nicht nur für diese, gibt es vielleicht doch eine Möglichkeit, die leider hierzulande nicht sehr bekannt ist: Tellington-Touch.

Der Begriff Tellington-Touch (TT) ist zusammengesetzt aus dem Namen seiner "Erfinderin" - Linda Tellington-Jones - und dem englischen "Touch" für Anfassen. Es ist also ihre Methode, Tiere zu berühren. Und diese beruht auf der Erfahrung, dass Zwang und Gewalt den Tieren nicht helfen zu lernen, sondern diesem Prozess gerade abträglich sind. Sie hat daraus den Schluss gezogen, dass Tiere (und auch Menschen) besser lernen, wenn man behutsam und einfühlsam mit ihnen umgeht, wenn man eine partnerschaftliche Beziehung zu dem Tier aufbaut.

So sieht der Basis-TTouch aus
Touches gibt es in vielen Variationen, hier sei nur der "Basis-TTouch" beschrieben. Man stelle sich an der Stelle, wo man den TTouch ausführen will, eine Uhr mit den Ziffern 12, 3, 6 und 9 vor sowie außenherum einen Kreis. Die Ziffer 6 zeigt in Richtung Boden. Die Finger beim Touch sind leicht gekrümmt. Mittel- oder Zeigefinger einer Hand führt, die anderen Finger folgen der Bewegung. Die zweite Hand liegt - passiv - ebenfalls am Tier. Man beginnt die Kreisbewegung bei der Ziffer 6, bewegt die Finger im Uhrzeigersinn einmal herum und weiter bis zur Ziffer 9, führt also einen 1 ¼ -Kreis aus. Man arbeitet mit leichtem Druck. (Das kann beim Menschen am eigenen Auge ausprobiert werden: der Druck sollte auf dem geschlossenen Auge ungefähr so sein, dass es angenehm ist.) Die Kreise sollten ungefähr auf ein 50 Pfennigstück passen. Hat man einen Kreis, der ca. 2 Sekunden dauert, fertig, dann rutscht man ein Stück weiter und beginnt den nächsten. Wichtig ist noch, dass die Haut bewegt und nicht einfach über das Fell gestreichelt wird. Bei Tieren, die sich nicht anfassen lassen, kann man mit Hunde- oder Katzenleckerlies in Stangenform arbeiten oder - bei kleinen Tieren - mit Wattestäbchen (eines zum Reinbeißen und Knabbern, ein zweites für die Touches). Natürlich muss man unbedingt darauf achten, ob dem Tier die Berührungen nicht unangenehm sind - zwingen sollte man es auf keinen Fall dazu.

TTouch ist in Anlehnung an die Feldenkraismethode entstanden, welche den Grundsatz "Bewusstsein durch Bewegung" geprägt hat und geht davon aus, dass Mensch und Tier sich Bewegungsabläufe aneignen und diese sogar auch beibehalten, wenn sie ihnen Schmerzen bereiten. Kann man diese alten Verhaltensmuster durch den TTouch aufbrechen, dann gibt man dem Tier die Möglichkeit, sich neu zu orientieren. So kann ein erhöhtes Körperbewusstsein und dadurch ein verbessertes seelisches Gleichgewicht erreicht werden. (Teile dieser Theorie haben inzwischen auch in der klassischen Krankengymnastik, etwa bei Rückenverspannungen, Einzug gehalten.)

Sehr wichtig sind beim TTouch für Ratten leichte, ja zärtliche, kreisende Bewegungen. Durch diese und andere Arten des Touches wird das Zentrale Nervensystem des Tieres angesprochen. Es werden Zellfunktionen aktiviert und Verspannungen gelöst, indem das tiefer liegende Gewebe verschoben wird. Hierfür gibt es spezielle Techniken, die "Touches". Bei kleinen Tieren wie Ratten werden diese Touches nicht mit der ganzen Hand, sondern nur mit wenigen Fingern durchgeführt. Auch Wattestäbchen dienen als Hilfsmittel, mit denen z.B. an den Füßen der Ratte wesentlich präziser gearbeitet werden kann als mit der großen menschlichen Hand. Diese indirekte Berührung kann zum Abbau von Berührungsängsten, Stress und Angstgefühlen führen und bei Störungen im Bewegungsapparat sehr hilfreich sein. Die kleine Ratte Charlie zum Beispiel hatte, als sie aus dem Tierheim geholt wurde, Probleme mit den Hinterläufen. Es sei ihr wohl mal was schweres auf den hinteren Teil der Wirbelsäule gefallen oder draufgetreten worden, so die Diagnose. Aber Anna wollte sich mit dem Zustand nicht abfinden und besuchte mit Charlie eine TT-Therapie. Kann das helfen, war die Frage am Anfang der nicht billigen Behandlung. Es kann helfen, aber nicht immer heilen, war die Antwort. Durch gezielte Animation erreichte man zumindest, dass sich Charlie häufig leichter und wendiger fortbewegte, und da sie ein Tier war, das das Leben liebte, konnte ihr so noch viel Spaß gegeben werden. Einfühlungsvermögen und Liebe zum Tier sind hierfür unabdinglich.

Die Liste dessen, was TTouch (unterstützen) kann, ist lang: Körperwahrnehmung und Selbstvertrauen, Hilfe bei Verletzungen und nach Operationen, aber auch Wirkung auf unliebsame Verhaltensweisen wie Aggressionen und Nervosität sind hier zu finden. Wer sich allerdings ein Allheilmittel erhofft, mit dem auch jeder Tumor schwindet und das "ewige Leben" erreicht werden kann, eine Art "Wundermittel" sozusagen, ist hier falsch. Einige Krankheiten können nach einigen Sitzungen als geheilt gelten, unerwünschte Verhaltensweisen treten dann vielleicht nicht mehr auf, fortschreitende Krankheiten aber können "nur" eingedämmt werden. Aber hierfür ist es erforderlich, dass man kontinuierlich mit dem Tier arbeitet, mit einer Einzelbehandlung ist es da nicht getan. Die Arbeit für das Tier und mit ihm steht im Vordergrund. Aber das sollte ja sowieso selbstverständlich sein.

 

Literatur:
  • L. Tellington-Jones / S. Taylor: "Der Neue Weg im Umgang mit Tieren - Die Tellington-Touch-Methode". Kosmos-Verlag.
  • http://www.tteam.de/