Zahnprobleme bei Ratten

Fast verhungert

Da ich von guten Freunden, die auch Ratten halten, einen großen selbstgebauten Käfig geschenkt bekam, und ich plötzlich viel mehr Platz für ein paar liebe Ratten mehr hatte, dachte ich, ich gehe ins Freiburger Tierheim und schau mich dort mal um. Schnell entschied ich mich für ein kleines, etwas verstrubbelt aussehendes Albinomädchen. Sie ließ sich auch gleich ohne Probleme in meine bestehende Damengruppe integrieren.

Ich wunderte mich nicht, dass sie am ersten Tag nichts fraß. Ich dachte, es sei die Aufregung in der neuen Umgebung. Beim ersten Freigang am Abend hab ich mir Elfriede (so taufte ich sie) näher angeschaut und mir fielen die langen Zähne auf. Sie hatte immer so einen komischen Gesichtsausdruck gehabt, der daher kam, dass sie den Mund nicht richtig schließen konnte. Ich hab sie dann gleich mal gewogen. Das arme Tier war auf 170 Gramm abgemagert!! Jetzt wurde mir auch klar, warum ihr Fell so strubbelig aussah. Das war ausgerechnet an einem Samstag und kein Tierarzt hatte auf. (Hinweis: Bei Tierärzten gibt es einen Notdienst, der jederzeit erreichbar ist! Auch ohne Notfall sollte man wissen, wie man den aktuellen Notdienst erfährt, z.B. Zeitung, Anrufbeantworter des eigenen Tierarztes, etc.)

Ich bereitete ihr etwas Babybrei zu, den ich immer für kranke Tiere im Haus habe. Sogar bei Brei hatte sie Probleme mit dem Fressen, weil ihr selbst da ihre Zähne im Weg waren. Ich versuchte ihr dann wenigstens etwas Traubenzuckerlösung mit einer Einwegspritze einzuflößen, was sehr mühsam war.

Am Montag bin ich dann gleich mit ihr zum Tierarzt gegangen. Er hat ihr fast 1 cm von den unteren Schneidezähnen abnehmen müssen. Er hat ihr ins Mäulchen geleuchtet und festgestellt, dass durch die Zahnfehlstellung der ganze Gaumen wund geworden war. Ich sollte ihr erst mal weiter Brei füttern, bis ihr Mäulchen verheilt sei. Weiter sagte er, dass ab und zu weiche Nahrung, wie Babybrei oder Banane, gar nicht so schlecht für Nager seien. Es wurde nämlich festgestellt, dass der Abreibeffekt bei hartem Brot oder Nüssen nicht so groß ist, wie immer angenommen. Die Zähne von Ratten sind nämlich viel härter als z.B. Nussschalen. Deshalb nutzen sie nicht viel Zahnschmelz ab. Wenn die Ratte allerdings etwas Weiches frisst, reiben die gleich harten Ober- und Unterzähne aneinander und nutzen sich so viel mehr ab.

Elfriede blühte nach dem Tierarztbesuch richtig auf. Jedes Mal, wenn ich zu ihr in den Käfig schaute, fraß sie gerade, als wenn sie alles nachholen wollte, was sie in letzter Zeit an Nahrung verpasst hat. Auch ihr Fell sieht inzwischen viel schöner und gepflegter aus. Ich denke, wenn ich sie nicht aus dem Tierheim geholt hätte, wäre sie verhungert. Deshalb schaue ich mir seither regelmäßig die Zähne meiner Ratten an.