Thema: Raumklima

Optimale Temperatur und Luftfeuchtigkeit verbessern die Gesundheit von Ratten

Mit ein Faktor für eine durchschnittlich längere Lebenserwartung von Ratten in Laborumgebung sind, vom Futter einmal abgesehen, dort vorherrschende, speziell auf rattige Bedürfnisse abgestimmte klimatische Bedingungen. Natürlich können wir Rattenliebhaber unseren Tieren im häuslichen Umfeld solch permanente und für die Gesundheit der Tiere idealen Werte nicht bieten. Aber wir können Annäherungen schaffen. Diese liegen bei den Eckwerten für Umgebungstemperatur und Luftfeuchte zwischen 18 bis 22 Grad Celsius bei einer relativen Feuchte von 60%. Auch sollte eine Belastung der Luft durch Stäube und Partikel so gering wie möglich gehalten werden. Was die oben angegebenen Werte betrifft, werden diese auch von uns Menschen als angenehm empfunden und entsprechen einem gesunden Raumklima, im Arbeitsbereich genauso wie zuhause.

Temperatur
Bei höheren sommerlichen Temperaturen kann beim Rattenhalter selbst mit dem Einsatz von Klimaanlagen Abhilfe geschaffen werden. Bei den Ratten wird es da schon etwas schwieriger. Eine Klimatisierung über ein handelsübliches Klimagerät ist zumindest in näherer Umgebung des Käfigs und auch wegen einer starken Zirkulation von relativ kühler Luft für die rattige Gesundheit weniger geeignet. Ratten vertragen keine Zugluft, was ja generell schon bei der Käfigaufstellung berücksichtigt werden sollte. Zugfreie Umluftsysteme können bei höheren Temperaturen ein angenehmeres Raumklima schaffen, bewirken im wesentlichen jedoch keine nennenswerte Senkung der Raumtemperatur.

Luftfeuchtigkeit
Bessere Möglichkeiten finden sich, was die Luftfeuchtigkeit betrifft. Zuerst aber mal ein paar grundsätzliche Erklärungen zur relativen Luftfeuchte. Luft hat die Fähigkeit, Wasser in Form von Dampf aufzunehmen, zu speichern und in Form von Kondensat wieder abzugeben. Ist die Luft nicht mit Wasserdampf gesättigt, so enthält sie weniger als 100% Luftfeuchtigkeit. Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte Luft. Wird Raumluft mit 60% relativer Luftfeuchte von beispielsweise 18 Grad Celsius auf 25 Grad Celsius erwärmt, hat sie, obwohl die absolute Wassermenge konstant bleibt, nur noch 40% relative Feuchte. Umgekehrt erhöht sich die Feuchte bei einer Abkühlung des Raumes bei konstanter Wassermenge.

Zusammengefasst:

  • Die relative Luftfeuchte steigt, wenn die Raumtemperatur absinkt und die Luft dabei abkühlt oder dem Raum bei gleichbleibender Lufttemperatur weitere Feuchtigkeit zugeführt wird.
  • Die relative Luftfeuchtigkeit sinkt, wenn im Raum die Lufttemperatur ansteigt oder dem Raum kühle und trockene Luft zugeführt wird.

In der Regel ist die relative Luftfeuchtigkeit, vor allem während der Heizperiode in Häusern und Wohnungen, zu gering. Abhilfe können hier sogenannte Luftbefeuchtersysteme schaffen, die nach drei Grundprinzipen, bezogen auf die Art der Befeuchtung, eingeteilt werden:

  1. Ultraschallzerstäuber verteilen neben Wassertröpfchen auch in der Raumluft enthaltene Bakterien und verbieten sich allein schon wegen ihres Frequenzbereiches, welcher im rattigen Hörbereich liegt.
  2. Befeuchter nach dem Verdampferprinzip arbeiten zwar hygienisch, verbrauchen jedoch sehr viel Strom, verkalken schnell und sorgen mitunter für niedergeschlagenen Wasserdampf an Decke und Wänden.
  3. Ideal sind Geräte, die nach dem sogenannten Prinzip der Kaltverdunstung arbeiten. Beim Einsatz dieser Geräte kann es zu keiner Überfeuchtung der Raumluft kommen. Einige Fabrikate sind so konstruiert, dass die Luft nicht nur befeuchtet, sondern auch noch zusätzlich gereinigt wird. Diese Geräte sind zum häuslichen Einsatz und vom Wirkungsgrad her für die Ansprüche der Pelznasen sehr gut geeignet.

Der Einsatz eines Hygrostates (automatischer Luftfeuchteregler) ist für den Betrieb dieser Geräte nicht unbedingt erforderlich. Zur Not tut es jedoch auch ein kleiner Zimmerbrunnen, den es schon zu recht günstigen Preisen im einschlägigen Fachhandel sowie in Baumärkten zu kaufen gibt. Ein solcher Brunnen sorgt, wenn auch nicht immer in ausreichendem Maße, in Käfignähe aufgestellt für eine gewisse Grundfeuchte. Diese sollte einen Grenzwert von 40% relativer Luftfeuchte nach Möglichkeit nicht unterschreiten, um Reizungen der Atemwege bei Mensch und Tier gleichermaßen zu vermeiden.

Praktische Erfahrungen:
Ich nutze Zimmerbrunnen und Luftbefeuchter (nach dem Kaltverdunsterprizip) in Kombination und im Dauereinsatz. Bei nicht ausreichender Befeuchtung durch den Zimmerbrunnen und daraus resultierenden zu niedrigen Luftfeuchtewerten wird automatisch, mittels Hygrostat der Luftbefeuchter aktiviert. Seit dem Einhalten eines durchschnittlichen relativen Luftfeuchtewertes von 60% sind Atemwegserkrankungen bei meinen Tieren sehr stark zurückgegangen, bei manchen Ratten traten bisherige Atembeschwerden sogar überhaupt nicht mehr auf.

Noch ein Satz zum Messverfahren der Luftfeuchtigkeit:
Preisgünstige Hygrometer, welche auf rein mechanischem Prinzip arbeiten (Zeigerinstrumente), sind Geräten mit elektronischer Meßdatenerfassung und Digitalanzeige (abgesehen von hochwertigen Labormeßgeräten), was die Anzeigegenauigkeit betrifft, weit überlegen.



Tipp "Feuchte Handtücher"

In zentralgeheizten Räumen sinkt die Luftfeuchte auf unter 40%, während sie im Sommer meist über 50% liegt. Abhilfe schaffen während der Heizperiode feuchte Handtücher, die ich über den Heizkörper hänge. Zugegeben - das ist nicht unbedingt dekorativ, aber wirksam. Ein- bis zweimal pro Tag erneuert, kann ich so in einem ca. 15 qm großen Raum die Luftfeuchte zwischen 50 und 60% halten.

Eva Haiduk, München