Die Wanderratte (Rattus Norvegicus) ist die Stammform der Labor- , Farb- und Heimtierratten. Die erste Zucht von Albinoratten geht auf das 17. Jh. zurück. Haus- und Wanderratte sind die einzigen beiden Rattenarten mit sechs Paar Zitzen.

Englisch: Common rat
Französisch: Rat surmulot
Italientisch: Sormolotto
Niederländisch: Bruine rat, rioolat
Portugiesisch: Ratazana

alte wissenschaftliche Namen: Epimys, Mus decumanus

Aussehen

Kopf-Rumpf-Länge 19-28 cm
Schwanzlänge 17-23 cm
Schwanzringe 163-205
Hinterfußlänge 38-46 mm
Ohrlänge 18-24 mm
Gewicht 240-580g

Die Ohren sind kurz behaart und reichen nach vorne geklappt nicht bis an die Augen. Die Schnauze ist relativ stumpf, der Schwanz kürzer als Kopf-Rumpf-Länge. Die Oberseite des Schwanzes ist graubraun, die Unterseite etwas heller. Das Rückenfell ist rotbraun bis schwärzlich, die Bauchseite schmutzigweiß bis grau ohne scharfe Flankenbegrenzung. Wildlebend gibt es auch schwarze Varianten mit weißem Brustfleck.

Eckdaten

Verbreitung

Wanderratten stammen ursprünglich aus den ostasiatischen Steppengebieten und wurden über verschiedenste Verkehrsmittel weltweit verschleppt.

Erstnachweis in Europa: Burg Scharstorf bei Preetz in Holstein, 10. Jahrhundert.
1730 - England
1735 - Frankreich
1750 - Ostdeutschland
1800 - Spanien
1775 - Einschleppung per Schiff nach Nordamerika
Im Mittelmeergebiet nur vereinzelte Vorkommen.

Lebensweise

Wanderratten sind dämmerungs- und nachtaktiv. Sie halten meist an markierten Wegen zwischen Bau und Nahrungsquelle fest. Bestimmte Futterplätze können bis zu 3 km vom Wohnbau entfernt sein (z.B. Fischreusen). Ebenfalls sind sie kommensal (das menschliche Angebot an Abfall und Lebensnischen nutzend). Die wenigen nicht-kommensalen Populationen sind grundsätzlich stark ans Wasser gebunden (Gewässerufer mit dichter Vegetation, Meeresküsten).

Die Wanderratte legt im Freien weitreichende unterirdische Gangsysteme, Erdbaue, Wohn- und Nahrungskessel und blind endende Gänge als Zuflucht in letzter Not an. Dürres Gras, Papier und Blätter dienen zur Auspolsterung des Wohnkessels. In Gebäuden befinden sich die Nester in Zwischendecken, Hohlräumen und locker gestapelten Materialien. Die Nester sind nach oben offen. Bei Gefahr flüchtet sie jedoch nicht nach oben, sondern in den nächsten Bau-Eingang.

Die Wanderratte lebt in großen Familienverbänden (45% der Rudel über 60 Tiere, maximal bis über 200 Tiere) mit sozialer Rangordnung. Das Männchen verteidigt ein Revier und seinen Bau gegen andere Geschlechtsgenossen. Weibchen bewohnen zu mehreren einen Bau. Das Wohnrevier wird gegen fremde Rudel verteidigt, das Nahrungsgebiet jedoch oft von mehreren benachbarten Rudeln genutzt.

40% der Wanderrattenrudel leben in der BRD im Freiland. Im Herbst kommt es oft zu Wanderungen in die Häuser, im Frühjahr wandern die Tiere wieder ab. Mit zunehmender Dichte können sich die Sozialstrukturen ändern. Die Tiere eines Rudels erkennen sich am Geruch, Sozialkontakte sind sehr ausgeprägt. Auch erwachsene Ratten spielen miteinander und putzen sich. Man kennt von WR fauchende, knurrende und fiepende Laute.

In höchster Gefahr greifen sie auch mal an, des weiteren wird ihnen hartnäckig nachgesagt, dass sie größere Tiere und auch Menschen anfressen sollen, wenn sich Gelegenheit dazu bietet. Bekannt ist, dass sie kleinere Tiere (z.B. Mäuse) tatsächlich jagen und töten.

Weibchen werden von mehreren Männchen gedeckt und können ihre Jungen in einem Gemeinschaftsnest werfen, das sie gegen nicht-trächtige Weibchen verteidigen. Sie säugen auch verwaiste Junge mit.


Nahrung

Die Wanderratte ist ein sehr vielseitiger Allesfresser mit 90% pflanzlicher, jedoch ausgesprochener Vorliebe für tierische Nahrung. Sie jagt geschickt kleinere Tiere und erbeutet sogar schwimmend und tauchend Fische. Beim Vogelfang ist von einigen, aber nicht allen Wanderrattenrudeln ein raubtierartiges Verhalten bekannt. Bestimmte Verhaltensweisen werden anscheinend abgeguckt und als "Tradition" weitergegeben. Überschüssige Nahrung und große Stücke werden in den Bau eingetragen und gehortet, verrotten dort aber zum größten Teil.

Feinde

Rotfuchs, Marder, Iltis, Hauskatze, Hund, Uhu, Waldkauz

 

 

LITERATUR:
Boye (1994) Heimische Säugetiere; DJN.
Corbet & Ovenden (1982) Pareys Buch der Säugetiere; Paul Parey.
Görner & Hackethal (1988) Säugetiere Europas; DTV
Grzimeks Enzyklopedie der Säugetiere Bd. 3 (1988); Kindler Verlag