Woran man vor der Anschaffung von Ratten denken sollte

Vor einer Anschaffung von Ratten gibt es einiges zu beachten um ein Miteinander von Ratte und Mensch harmonisch zu gestalten. Die ersten Infos zu dem Thema kann man sich im Internet über diverse Rattenforen holen. Am Ende gibt es einige unverbindliche Literaturhinweise.

Ganz wichtig: sind bei einem selber oder Familienmitgliedern Allergien bekannt, bitte vorher auf Rattenhaare testen lassen. Entweder direkt beim Allerlogen oder man schaut mal unverbindlich im Tierheim oder bei Rattenhaltern vorbei. Auch sollte man sich vorher Gedanken dazu machen wer sie im Urlaub versorgen kann (Familie, Tierpension, Urlaubsbetreuung über Rattenforen) und ob es geeignete Tierärzte oder Tierkliniken in der Nähe gibt, zur sicheren Versorgung der Ratten.

Im Vorfeld gilt es auch zu klären, ob die Ratten für einen Erwachsenen oder für ein oder mehrere Kinder als erste Haustiere gedachtsind. Als erste Haustiere sind Ratten für Kinder ab 8 Jahren geeignet, wobei die Verantwortung immer bei den Eltern liegt. Sind schon immer Haustiere gehalten worden, können Ratten mit Anleitung auch schon früher angeschafft werden. Auch gilt es zu bedenken, dass Ratten mit 2 – 3 Jahren keine hohe Lebenserwartung haben und die Kinder dementsprechend auf den Tod der Tiere vorbereitet werden müssen.

Ratten sind dämmerungsaktiv und in jungen Jahren sehr agil, so das man schauen muss, wo der Käfig aufgestellt wird. Sie sollten möglichst zugfrei und nicht in der prallen Sonne stehen. Der Standort sollte so gewählt sein, dass ein Auslauf von mindestens einer Stunde am Tag gewährleistet ist. Ein herumtragen der Tiere oder kurzer Auslauf auf dem Sofa o.ä. reicht nicht aus. Der Auslauf kann in einem Zimmer stattfinden oder einem Teil eines Zimmers, der mittels Absperrungen abgetrennt wird. Der Auslauf muss rattensicher sein: d.h. keine für Ratten erreichbare Stromkabel, keine Nischen, in denen sie sich ohne Zugriff des Menschen verkriechen können, keine giftigen Pflanzen, keine Fallhöhen (durch Klettern auf Regale oder Käfig).

 

Anzahl der Ratten, Geschlecht und Bezugsquelle

Ratten werden mindestens zu dritt gehalten, gerne mehr. Einzelhaltung ist absolut tabu da es sehr soziale Tiere sind. Zudem ist es falsch anzunehmen, dass ein Einzeltier zahmer wird als ein Rudel. Auch die Haltung von zwei Tieren ist nicht artgerecht bzw. verhaltensgerecht. Sie sind schlecht sozialisiert, inaktiver, und im Falle eines Todes des Partnertieres, ist bis zur Neuintegration ein Tier allein.

Um unerwünschten Nachwuchs zu verhindern sollten nur gleichgeschlechtliche Ratten gehalten werden. Wenn Böcke kastriert sind, kann man sie nach angemessener Wartezeit auch mit Weibchen zusammen halten.

Wir empfehlen, Ratten aus dem Tierheim oder von Rattennothilfen zu holen. Bei Notfallvermittlern bekommt man bei der Besichtigung gleich den richtigen Eindruck von den Tieren und kann sich in privater Atmosphäre mit direktem Kontakt zur Ratte für das richtige Geschlecht oder die richtige Gruppe entscheiden. Hier bekommt man alle nötigen Infos zu den Tieren sowie Hilfe und Tipps. In der Regel wird eine Vor- und/oder Nachkontrolle der Rattenhaltung praktiziert, um sicher zu gehen, dass die Ratten artgerecht gehalten werden.


Ratten und andere Heimtiere

Gibt es im Haushalt weitere Tierarten, sollte der unmittelbare Kontakt durch Käfig oder im Auslauf strikt vermieden werden. Und grundsätzlich gilt: keine Vergesellschaftung mit artfremden Tieren wie Meerschweinchen, Kaninchen oder Chinchilla. Jedes Tier hat seine Angewohnheiten und braucht eigene Artgenossen.

 

Das Rattenheim                                                                       

Hier gibt es natürlich unzählige Möglichkeiten nach Geschick und Geldbeutel. Der Selbstbauer kann sich einen Schrank mit einer Tiefe von mindestens 50cm, suchen oder bauen. Das Holz muss mit dem sogenannten Sabberlack nach DIN EN 71-3 behandelt werden, da sonst der Urin einzieht und es nach kurzer Zeit anfängt zu riechen. Bastelanleitungen findet man in allen Rattenforen (siehe Liste am Ende).

 

Als zweite Möglichkeit gibt es die Kaufkäfige. Der V.d.R.D empfiehlt folgende Mindestmaße:

• 3 Ratten: ca. 320 l (z.B. 0,8 m L x 0,5 m B x 0,8 m H)

• 4 - 5 Ratten: ca. 500 l (z.B. 0,8 m L x 0,75 m B x 0,86 m H)

• 6 - 8 Ratten: ca. 600 l (z.B. 1,2 m L x 0,5 m B x 1 m H)

• 9 – 15 Ratten: ca. 900 l (z.B. 1,2 m L x 0,5 m B x 1,5 m H)

Bewährt haben sich auch Vogelvolieren die mit Zwischenbrettern oder Plastiketagen angepasst werden können, aber auf jeden Fall eine Breite von mindestens 80cm und Tiefe von mindestens 50cm haben sollten um Lauffläche für die Ratten zu gewährleisten. Von der Firma Ferplast hat sich der Furet XL oder Furet Tower als tauglich gezeigt. Insbesondere, da man ihn auch platzsparend zusammenlegen und verstauen kann. Für den größeren Geldbeutel und wenn man den Ratten endgültig verfallen ist, kann man sich bei www.kaskadendom.de, oder - wer lieber Holz mag - unter www.kleintierstaelle.ch auch den Porsche unter den Rattendomizilen bestellen. Hier empfiehlt sich ein Gespräch mit Besitzern, die alle Vor- und Nachteile selbst aus Erfahrung kennen.

 

Die Einrichtung

Hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Das Material sollte möglichst natürlich und frei von Giftstoffen sein. Also Holz, Seile, Kork, Keramik, Zeitung, Äste von gesunden Obstbäumen. Von der hygienischen Seite werden viele Sachen auch aus Plastik angeboten, zur besseren Reinigung, aber man sollte nicht vergessen, dass Ratten auch ihren Spassfaktor zum nagen brauchen und das geht am besten mit unbehandeltem Holz. Hängematten kann man sich günstig mit den Gästehandtüchern von Ikea nebst den Aufhängern basteln und sollte damit größere Fallhöhen im Käfig absichern. Zum Trinken eignen sich die normalen Nippeltränken, wem das Geräusch zu laut ist kann, auch Vakuumtränken benutzen. Im Sommer sollte immer ein größerer Napf (täglicher Wechsel des Wassers) mit Wasser zum Plantschen auf freiwilliger Basis bereitstehen, nicht alle Ratten sind wasserscheu. Für das Trockenfutter sollte man auch einen großen Keramiknapf - je nach Größe der Gruppe - bereitstellen.

Als Einstreu sollte man staubarme Varianten wie Mais-, Hanf-, oder Leinenstreu benutzen oder ganz darauf verzichten und Streu nur in Toiletten verwenden. Ratten haben empfindliche Atemwege und sollten daher vor Staub, Heu und Rauch jeglicher Art geschützt werden. Im Sommer wie auch im Winter kann man zur Unterstützung der Luftfeuchtigkeit feuchte Tücher auf den Käfig legen oder daran hängen, allerdings sollte man damit rechnen dass dieselben schonungslos zernagt oder in den Käfig reingezogen werden.

 

Reinigung von Käfig und Zubehör

In der Regel sollte man den Käfig einmal die Woche reinigen. Am Natürlichsten geht dies mit heißem Wasser und etwas Essig. Sollten die Ratten auf ihr Klo gehen, kann man die Einstreu zweimal die Woche erneuern, um eine Geruchsbildung zu verhindern. Öfter reinigen hat leider den gegenteiligen Effekt, da Ratten ihr Revier umso häufiger wieder übermarkieren.

 

Das Futter

Man kann im Handel  viele fertige Mischungen für Ratten kaufen. Hierbei kann man zwischen Komplettfutter (Pelletts) und Einzelfuttermischungen (Saaten, Trockenfrüchte, usw.) unterscheiden. Komplettfutter kann man bei kranken Tieren und zum Päppel geben, da man es auflösen und als Brei geben kann. Es gibt aber auch Rattenhalter, die ihre Ratten von Anfang an mit diesen Komplettlösungen versorgen. Letztendlich eine Geschmacks- und Geldfrage. Auch die Einzelfuttermischungen bieten eine breite Auswahl, wobei sich das Rattima von Hansepet bewährt hat, das man in verschiedenen Abpackungen online bestellen kann. Es ist im Gegensatz zu den anderen Sorten leider kaum im Einzelhandel zu erwerben.

Man sollte beim Kauf des Futters darauf achten, dass tierisches Eiweiß enthalten ist, ansonsten sollte man es in Form von Käse, getrockneten Maden oder Seidenraupen einmal wöchentlich zufüttern. Als Grundmenge reichen 20g oder 1 Eßlöffel pro (erwachsener) Ratte pro Tag. Damit ein Futterangebot über den Tag besteht, kann man entweder morgens Trockenfutter und abends Frischfutter anbieten oder umgekehrt wie man es besser in seinen Tagesablauf integrieren kann. Da Ratten einen hohen Stoffwechsel haben, sollten sie immer Futter im Angebot haben. Aber Vorsicht, Ratten neigen zur Verfettung bei Überangebot.

Beim Frischfutter gibt es bei den kalorienarmen Varianten keine Grenzen. Vorsicht ist geboten bei Kohlgewächsen, da es zu Aufgasungen kommen kann und auch Advocado sollte wegen dem hohen Fettgehalt  nicht gegeben werden. Beim Obst sollte man auf Zitrusfrüchte verzichten und bei den Kalorienbomben auf die Menge achten. Man kann Obst und Gemüse auch in Stücken geben, Schalen und Kerne immer entfernen. Je nach Größe der Gruppe sollte es nur so viel Futter sein, dass alles von den Ratten gefressen wird. Bleibt am Ende des Tages viel übrig, sollte man weniger nehmen um damit die Bildung von Fruchtfliegen zu verhindern.

 

Krankheiten und Tierarzt

Auf Grund des geringen Alters von nur 2 – 3 Jahren die dem hohen Stoffwechsel mit einer Herzfrequenz von 300 – 400 Schlägen in der Minute geschuldet sind, treten einige  Krankheiten mit 1,5 Jahren auf. Bei Weibchen sind es oft Gesäugetumore die frühzeitig erkannt, gut entfernt werden können. Bei allen Ratten kann es zu Atemwegserkrankungen kommen, die früh erkannt gut behandelt werden können, so dass ein normales Alter erreicht werden kann.

Bei Untersuchungen an Ratten hat man festgestellt das sie zu 98% den Mycoplasmoseerreger in sich tragen und es je nach Immunsystem der Ratte früher oder später zu den Ausbrüchen der Atemwegserkrankung kommt. Hier ist eine gute Vorbeugung durch staubarme Streu oder Verzicht, rauchfreies Rattenzimmer ohne Zugluft, regelmässige Untersuchung beim Tierarzt ab 12 Monaten ohne Symptomen, bei Anfälligkeit schon früher nötig. Auch ist die richtige Wahl eines Tierarztes, der sich gut mit Ratten auskennt, wichtig. Und das sollte man nach Möglichkeit schon vor der Anschaffung der Ratten klären. Eine gute Hilfe sind hier die Rattenforen im Internet mit Tierarztsuche vor Ort. Dort werden in der Regel nur rattenerfahrene Tierärzte und Kliniken ausgewiesen. Leider gibt es noch genug Tierärzte, für die ein Haustier erst ab der Größe von Meerschweinchen anfängt und nicht selten gerade in ländlicher Gegend wird schnell zur Euthanasie und Kauf einer neuen Ratte geraten, weil der Aufwand zu groß wäre zu behandeln oder der Tierarzt keine Erfahrung mit der Behandlung von Ratten hat.

 

Urlaubsbetreuung der Ratten

Im Idealfall gibt es ein Mitglied in der Familie, welches die Ratten während des Urlaubes betreuen kann. Dann können die Tiere in der gewohnten Umgebung bleiben und haben in der Zeit nur einen anderen Futtergeber, der aber in der Lage sein sollte, auch den Auslauf zu gewähren und so geschult Veränderungen in Richtung Krankheit rechtzeitig zu erkennen. Der VdRD hat überall in Deutschland Regionalgruppen, die sich regelmässig treffen und untereinander auch rattenerfahrene Urlaubsbetreuung anbieten. Über Rattenforen im Internet kann man auch nach Betreuung suchen oder in Kleintierpensionen nachfragen. Oft bieten regionale Tierschutzgruppen auf der Basis "nimmst Du mein Tier nehm ich Dein Tier" Betreuungen oder Tierheime haben die Möglichkeit zur Aufnahme für die Urlaubspfleglinge. Wichtig ist es immer, rechtzeitig zu suchen und bei privaten Urlaubsbetreuungen immer einen Ersatz zu haben, falls derjenige kurzfristig absagt.

 

Anschaffungskosten

Die Grundausstattung für mindestens 3 Ratten beträgt knapp 200 Euro

Käfig Furet XL 119,00 inclusive Grundausstattung, weiteres  Zubehör: großes Holzhaus 12,99, 2. Klo 2,99,Sputnik zum Aufhängen 5,99, Futterhalter 1,49, Foodball 2,69

Weiteres Zubehör: Transportbox 9,99, Krallenschere 1,99, Floh- und Staubkamm 4,49

Grundfutter und Streu für die Klos, Boden und Etagen werden mit Zeitung ausgelegt: Rattima 5kg 14,99 Streu wahlweise Bucheneinstreu xxl 15kg 13,99 oder Maisgranulat 10l 5,99

Diese Preise sind als Anhaltspunkt www.zooplus.de vom 03.03.13 entnommen worden, können natürlich je nach Firma und auch Selbstbautechnik variieren.

Was das erwerben der Ratten bei Tierheimen und Notfallvermittlern angeht, muss man pro Tier zwischen 5 – 30 (letzteres bei kastrierten Tieren) Euro rechnen.

Man sollte sich für die Tierarztkosten eine eigene Notfallkasse einrichten in die man monatlich 5 - 10 Euro steckt. Bei gesund erworbenen Ratten können die ersten Erkrankungen  mit 1,5 Jahren losgehen. Die Tierarztkosten richten sich nach der Gebührenordnung für Tierärzte: http://www.bundestieraerztekammer.de/fachliches/praxis/gebuehrenordnung/index.htm

 

Literatur und interessante Internetseiten:

Club der Rattenfreunde. "Leitfaden zur optimalen Rattenhaltung"; zu bestellen bei http://www.rattenclub.ch/shop.php

Sabine Oechler: "Farbratten"; zu bestellen beim Natur- und Tierverlag www.ms-verlag.de

Brigitte Rauth-Widmann: "Meine Ratte", Kosmos Verlag

 

Für Fortgeschrittene:

Anja Ewringmann und Barbara Glöckner: "Leitsymptome bei Hamster, Ratte, Maus und Rennmaus", Enke Verlag

Michaela Schulz: "Das große Heimtierratten", Books on Demand

 

Internetseiten:

www.vdrd.de Verein der Rattenliebhaber und Halter Deutschland e.V.

 

Rattenforen:

www.rattenbande.com Notfallvermittlung Jena, Leipzig mit angeschlossenem Forum

www.rattenforum.de Notfallvermittlung Deutschlandweit mit großem Rattenforum

www.rattenreich-forumieren.com Rattenforum

www.ratteneck.eu Rattenforum

 

Notfallvermittlungsseiten:

www.rattenhausen.de Notfallvermittlung Berlin/ Brandenburg mit Forum

 

Christine Brandt www.rattenhausen.de