Das Rattenheim


Kaefig


Ratten benötigen eine artgerechte Unterbringung. Mit einfachen Tipps und Tricks zum Wohlfühlheim


Der geeignete Rattenkäfig

Ratten verbringen einen Großteil ihres Lebens im Käfig. Deshalb will die Anschaffung und Einrichtung eines rattengerechten Käfigs genau überlegt sein, und beim Kauf sollte nicht gespart werden. Im Sonderangebot gibt es auch geeignete Volieren für 100 € oder man baut einfach selbst einen geeigneten Käfig (s. Unterpunkt Käfig Marke Eigenbau). Der Gitterabstand sollte maximal 1- 1,5 cm betragen, damit auch Jungtiere nicht auf unerwünschte Entdeckungsreise gehen können. Das Gitter sollte quer oder im Karo angeordnet sein, damit die Ratte daran klettern kann. Mehrere große Türen bieten den Vorteil, dass der Käfig leicht einzurichten und zu reinigen ist.

Ratten haben einen Wach-Ruhe-Rhythmus von ca. 2-4 Stunden; ihre Hauptaktivitäten liegen in den Morgen- und Abendstunden. Rattenkäfige müssen deshalb recht geräumig sein, damit die bewegungsfreudigen Tiere genug Möglichkeiten zum Klettern, Rennen, Verstecken, Schlafen sowie Platz zum Austoben und Spielen haben. Die optimale Einrichtung trägt viel zum Wohlbefinden der Ratten bei: sie hält die Tiere aktiv und bereitet damit auch dem Menschen viel Freude, wenn er seine Ratten beim Nutzen (oder Zerlegen) der Einrichtung beobachten kann.

Doch auch der größte und besteingerichtete Käfig kann Ratten die „Erlebniswelt Auslauf“ nicht ersetzen. Der tägliche Auslauf in der Wohnung ist daher ein Muss. Der freiwillige Kontakt von Ratten zum Menschen beim Auslauf stärkt zudem die Tier-Mensch- Beziehung.


Standort und Wohlbefinden

Mitentscheidend für das Wohlbefinden von Ratten ist der richtige Standort des Käfigs. Farbratten sollten weder draußen im Schuppen (Keller, Dachboden, etc.), noch auf dem Balkon gehalten werden. Sie erkranken bei Zugluft und sind bei plötzlichem oder andauerndem Lärm stressgefährdet. Der Käfig sollte hell stehen, aber nicht der Sonneneinstrahlung ausgesetzt sein (Hitzschlaggefahr!). Ratten brauchen Ruhe, aber auch Anregungen, z.B. die Möglichkeit, das Geschehen im Raum in aller Ruhe zu beobachten.

Der ideale Stellplatz ist interessant, ruhig, trocken, hell, zugluftgeschützt, so erhöht, dass die oberste Ebene des Käfigs in Augenhöhe oder darüber ist (z. B. auf einem Regal, Tisch) und hat Raumtemperatur. Die Ratten sollten auch im Käfig die Möglichkeit haben, am “Familienleben” teilzunehmen. Kinderzimmer sind aufgrund des Lärms und der Unruhe sowie der mangelnden Kontrolle als Standort wenig geeignet. Ideal wäre es, wenn der Auslauf im gleichen Raum stattfindet, damit die Ratten selbstständig aus dem Käfig ein- und aussteigen können.

Die Einzelhaltung von Ratten ist nicht artgerecht. Mehrere Tiere werden zudem meist leichter zahm und zutraulich, wenn man sich täglich mit ihnen beschäftigt, da sie sich im Rudel sicherer fühlen. Neue und scheue Ratten schauen sich sehr oft von den schon zahmen ab, „wie man so mit seinem Menschen umgeht“, dies minimiert den Stress sowohl für den Menschen als auch für die Ratten. Es können gleichgeschlechtliche Tiere (Weibchen oder Böcke), aber auch gemischte Gruppen, in denen die Böcke kastriert sind, zusammen gehalten werden. Da es jedoch bei Ratten schwierig ist, die Narkose richtig zu dosieren und Operationen bei unerfahrenen Tierärzten tödlich enden können, sollten unnötige Kastrationen vermieden werden. Es empfiehlt sich deshalb ein gleichgeschlechtliches Rudel zu halten.

Platzmangel durch Überbelegung oder zu kleine Käfige beeinträchtigen die Lebensqualität der Ratten massiv. Es kann zu ernsthaften Streitigkeiten kommen, die bis hin zu tödlichen Kämpfen zwischen Rudelgenossen führen und schwerwiegende psychische Schäden hervorrufen können.


Größe und Einrichtung

Die Grundfläche eines Rattenkäfigs sollte immer mindestens 0,4m² betragen (Etagen nicht mit eingerechnet). Dabei sollte keine Seite kürzer sein als 50 cm, die Höhe sollte 80 cm nicht unterschreiten.

Folgende Käfigmindestgrößen sind zu empfehlen:
  • 3 Ratten: ca. 320 l (z.B. 0,8 m L x 0,5 m B x 0,8 m H)
  • 4 - 5 Ratten: ca. 500 l (z.B. 0,8 m L x 0,75 m B x 0,86 m H)
  • 6 - 8 Ratten: ca. 600 l (z.B. 1,2 m L x 0,5 m B x 1 m H)
  • 9 – 15 Ratten: ca. 900 l (z.B. 1,2 m L x 0,5 m B x 1,5 m H)

Dabei sollten mehrere Voll- und Halbetagen in ca. 35 cm Abstand eingebaut werden. Bei der Käfiggröße gilt immer: Je größer, desto artgerechter ist der Käfig für die bewegungs- und kletterfreudigen Ratten! Zur Grundeinrichtung gehören dunkle Verstecke (Häuschen), Plattformen, Röhren, Leitern, Hängematten, dicke Äste usw. Holz wird von Ratten generell gerne benagt. Holzhäuser können mit Spielzeuglack (nach DIN EN 71, Teil 3) lackiert werden. Unlackierte Holzeinrichtung wird schnell durch Urin verunreinigt und muss oft ausgetauscht werden. Häuschen aus Plastik, Keramik oder Ton bieten sich in der Regel besser an, da sie leichter gereinigt werden können. Als Nistmaterial eignen sich Küchentücher und in Streifen gerissene Zeitungen, die die Ratten ruhig selbst in die Häuschen tragen sollen. Als Liegeplatz nutzen die Tiere sehr gerne mehrere Hütten und Plattformen, die sich möglichst knapp unter dem „Dach“ befinden sollten, sowie aufgehängte Röhren und Hängematten.

Ratten gruppieren sich immer wieder um, so dass sie genügend unterschiedliche und genügend große Liegeplätze vorfinden sollten. Viele Ratten nehmen auch ein „Rattenklo“ an, eine flache Schale, die mit nicht staubendem Einstreu gefüllt und in die „Lieblingsecke“ gestellt wird. Futterschalen sollten möglichst schwer (z.B. Keramik) und standfest sowie von großem Durchmesser sein, da Ratten sich gerne zu mehreren auf den Rand setzen. Sie stehen am besten leicht erhöht, so dass kein Streu hinein fällt, sofern es die Ratten nicht persönlich dort hintragen.

Nippeltränken sind Wasserschalen aus hygienischen Gründen vorzuziehen. Die Tränke sollte ca. 10 cm über dem Boden angebracht sein, so dass die Tiere bequem trinken können. Zusätzliche Papageiennäpfe zum Aufhängen bieten Ratten die Möglichkeit, zu planschen und sich mit Wasser zu putzen und werden gerne genutzt. Vor der Käfigreinigung kann auch eine große flache Schüssel mit Wasser als Badeplatz angeboten werden.

Ratten brauchen unterschiedlichste Bewegungsmöglichkeiten. Bewährt haben sich wasserdicht versiegelte Holz- oder Plastikbretter und Ebenen, die abwechselnd mit Holzleitern, Rampen und Röhren (Ø mind. 10-12 cm) angeordnet werden. An Schaukeln und lose hängenden Seilen finden sie selten Gefallen, dafür klettern sie sehr gerne am Gitter hoch. Wackelnden Dingen misstrauen sie erst einmal, aber wenn diese immer auf die gleiche Weise wackeln, nutzen sie z.B. auch an Ketten aufgehängte Röhren, genauso wie sie Hängematten aus alten Handtüchern lieben. Zum Buddeln kann eine große Plastikkiste mit Terrarienerde angeboten werden. Laufräder sind ungeeignet, denn sie können zu Haltungsschäden und Schwanzverletzungen führen.

Ratten sind Gewohnheitstiere: Wenn an der Einrichtung etwas verändert werden soll, bitte nicht nur ein Brettchen verschieben oder eine Leiter entfernen, sondern größere Änderungen vornehmen! Sonst stürzen die Tiere eventuell bei ihren rasanten Klettereien ab, weil sie aus Gewohnheit „danebengreifen“. Wenn hingegen viel verändert wurde, erkunden die Ratten ihr Revier ausgiebig neu. Bei älteren Tieren muss der Käfig umgestaltet und absturzsicher gemacht werden. Man kann Hängematten zum Sichern größerer Fallhöhen benutzen, und Leitern sollten dann durch Rampen ersetzt werden.

Käfig Marke Eigenbau

Bei der Haltung von größeren Rudeln kann ein Selbstbau sinnvoll werden. Als Basis kann ein alter Schrank oder ein Regal dienen. An Rück- und Seitenwänden aus (imprägniertem oder beschichtetem) Holz lassen sich besonders leicht Einrichtungsgegenstände anbringen. Die Türen sollten aus Drahtgitter bestehen, damit es keinen Luftstau gibt. Für die Sitzbretter und andere Einrichtungsgegenstände gilt jedoch: Ratten dürfen nicht auf Drahtgittern gehalten werden! Dies kann zu Deformationen der Pfoten und des Skeletts führen. Eines haben alle selbstgebauten Rattenheime gemeinsam: sie brauchen einen Boden, der möglichst keine Feuchtigkeit eindringen lässt und der leicht zu reinigen ist. Am besten ist die Verwendung einer oder mehrerer Kunststoffschalen, die komplett entnommen und außerhalb des Käfigs gereinigt werden können. Der Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt: egal ob selbstgebaut oder gekauft, ein gut eingerichtetes Rattenheim wird zum Erlebnisbereich für Mensch und Tier.

Die Einstreu

Als Einstreu eignen sich am besten Kleintierstreu (möglichst staubfrei wie z.B. Hanfstreu oder Strohpellets), Zeitungspapier oder Papiershredder (letzere eignen sich hervorragend für Allergiker). Sägespäne sind nicht geeignet, da sie zu sehr stauben. Auch Heu oder Stroh sind wegen des hohen Staubgehalts und des häufigen Milbenbefalls nicht zu empfehlen. Zur Ernährung benötigen Ratten weder Heu noch Stroh. Des weiteren sollte man auf parfümierte Einstreu verzichten, da die Ratten ansonsten gegen den Fremdgeruch anstinken, indem sie mehr markieren als üblich um den Rudelgeruch wieder herzustellen. Manche Rattenhalter legen auch waschbare Flickenteppiche oder Handtücher im Käfig aus.
Auch im Einstreubereich kommen immer neue Produkte auf den Markt, aber egal welche man nimmt, aber egal welche man nimmt, es sollte immer auch Material vorhanden sein, mit dem die Ratten ihre Schlafplätze auspolstern und Nester bauen können. Hierfür eignen sich am besten zerissenes Zeitungspapier, Haushaltspapier oder Papiershredder. Achtung: Kein Papiershredder mit scharfen Kanten verwenden! Auch vom normalen Drucker bedrucktes Papier ist tabu, da Toner und Tinte giftig sind. Am besten lässt man Zeitungspapier durch den Shredder und verwendet dieses. Es macht den Ratten auch Spaß, wenn man ab und zu eine Rolle Toilettenpapier in den Käfig hängt, so dass die Ratten es selbst abrollen können. Hamsterwolle/-watte, aber auch normale Watte sind als Nistmaterial nicht geeignet, da es leicht zu Abschnürungen von Pfoten und Fingern/Krallen kommen kann.

Die Reinigung des Käfigs

Ratten sind sehr saubere Tiere, die sich viel und oft putzen. Sie erwarten, dass "ihr Mensch" den Käfig ebenso sauber hält wie sie sich. Oft reicht klares, heißes Wasser um den Käfig und die Inneneinrichtung zu reinigen. Man kann aber auch einen Schuss Essig oder ein klein wenig Spülmittel ins Reinigungswasser geben. Auf stark riechende, parfümierte Reiniger sollte aufgrund der empfindlichen Rattennasen verzichtet werden.
Alle paar Wochen muss der Käfig eine Grundreinigung durchlaufen. Handelsübliche Gitterkäfige kann man dazu unter die Dusche stellen oder mit einem Schwamm gründlich auswischen. Volieren/Gitter reinigt man am besten mit Bürste, Lappen und heißem Wasser. Von Zeit zu Zeit sollte man Äste oder Holzteile gegen neue austauschen. 
Wenn man die übliche Reinigung (die zeitlichen Abstände variieren je nach Rattenanzahl und Größe des Käfigs) und auch die Generalreinigung regelmäßig durchführt, geht von den Ratten keine Geruchsbelästigung aus, die die Freude an den Tieren schmälern könnte. Man sollte aber auch beachten, dass man nicht zu viel putzt, da die Ratten ansonsten umso mehr markieren um gegen den fremden/neutralen Geruch anzukommen. Sie wollen nämlich, dass ihr Heim nach dem eigenen Rudel riecht. Daher sollte man keinesfalls den Käfig täglich komplett reinigen oder parfümierte Einstreu verwenden, sondern nur die Toiletten und Schlafhäuser/plätze kontrollieren und ggfs. sauber machen.

Bilder: Stefanie Linke, Anja Greschkowiak