Tumore
Fast alle Rattenhalter trifft es irgendwann einmal: Die Ratz hat Krebs. Man weiß, das ist schlimm, und da entsteht eine Beule und die muss weg, wenn möglich... aber was genau ist Krebs? Welche verschiedenen Arten gibt es, und wie geht man damit konkret um? Hier eine kleine Übersicht über die Krebsarten, die bei Ratten häufiger vorkommen, und mit denen ihr vielleicht zu tun bekommt.

Wenn der Tierarzt (oder wir selber) feststellen, dass irgendwo an der Ratte eine Beule entsteht, so ist das ein Tumor. Dieser Ausdruck bedeutet aber nicht automatisch Krebs, sondern bezeichnet nur „Schwellung / Geschwulst", also würde auch eine Abszessbeule so gewannt werden. Alternativ, und um dieses angstbesetzte Wort Tumor zu vermeiden, spricht der TA auch manchmal von einem Gewächs oder einfach einer Neoplasie (Neubildung). Tumore sind also Gewebeveränderungen. Diese werden je nachihrer Eigenschaft (Dignität) in drei großen Gruppen unterschieden: gutartig (benigne), bösartig (maligne) und halbböse (semimaligne).

Ein gutartiger Tumor wächst meist langsam. Er ist gut abgrenzbar (bildet eine Kapsel) und verdrängt durch sein Wachstum nur das normalerweise an dieser Stelle befindliche Gewebe, aber es wächst nicht. n dieses hinein und zerstört es dadurch. Auch bilden gutartige Tumore keine Metastasen (aus dem Ursprungstumor stammende Zeilen, die in entfernteren Geweben / Körperregionen so genannte Tochtergeschwülste bilden) aus. Ein Beispiel für einen gutartigen Tumor, der öfter mal bei Ratten vorkommt ist das Eibrom, das man auch als Warze bezeichnen kann. Je nach Ort muss er nicht unbedingt entfernt werden, solange es das Tier nicht behindert oder eine Gefahr besteht, dass er entarten kann. Auch die sehr häufig vorkommenden Mamma-tumore (Gesäuge-tumore) sind meist gutartig

Bösartige Tumore dagegen (das sind die, die man normalerweise als Krebs bezeichnet) zerstören umliegendes Gewebe, da sie in dieses hinein wachsen. Somit kann man sie beim Tasten auch schlecht abgrenzen. Sie wachsen schnell und bilden (unter anderem z.B. durch Verbreitung von Zellen über das Blut) Metastasen. Als Beispiel sind hier die häufigen Osteosarkome (Knochenkrebs) zu nennen. Die semimalignen Tumore sind eine Mischform. Diese bilden zwar keine Metastasen, aber sie dringen in das umliegende Gewebe ein und zerstören es auch.

Es gibt Grundregeln, wie Tumore benannt werden. Der Wörtanfang bezeichnet das Gewebe näher, an dem der Tumor entstanden ist, also z.B.

  • Fibro- für Bindegewebe
  • Osteo- für Knochen
  • Lipo- fiir Fett

Die Endung gibt uns eine Aussage darüber, ob wir es mit einem gutartigen oder bösartigen Tumor zu tun haben:

  • om für gutartige Tumore
  • sarkom für bösartige Tumore im Bindegewebe
  • karzinom für bösartige Tumore der obersten Zellschicht von Haut und Schleimhaut

Metastasen entstehen, indem sich Krebszellen vom ursprünglichen Tumor lösen. Sie wandern dann über das Blut oder die Lymphe durch den Körper und setzen sich an anderer Stelle fest. Durch Biopsienadeln oder bei einer OP abgelöste Zellen verursachen nur sehr selten Tochtergeschwülste (sogenannte Impfmetastasen). Der. Tumor ist dann wohl meist noch nicht „reif" für die Fortpflanzung

Ob Krebszellen metastasieren, hängt nach neuesten Forschungsergebnissen von ihrer Fähigkeit ab, embryonale Transkriptions-faktoren (=Enzyme, = Eiweiße) zu bilden.

Schon sehr kleine Tumore können metastasieren, vorausgesetzt dass der Krebs in die angrenzenden Gewebe einwächst und dabei Adern oder Lymphgefäße durchstößt. Die Fähigkeit dazu nennt man Invasivität; sie hängt jeweils von der genetischen Besonderheit des Tumors ab. Es kommt dabei auf die Struktur der Zellmembranen an, beispielsweise auf dort befindliche „Klebemoleküle".
Metastasierende Krebszellen können im Gegensatz zu anderen Körperzellen umgebende Adern zum verzweigen bringen. Das ist notwendig um sich „zu ernähren", also mit Blut zu versorgen.

Der Zielort für Metastasen liegt meist in Richtung des Blutstroms, bzw des nächsten Lymphknotens, aber das ist nicht zwangsläufig so. Manche Tumorarten metastasieren in ganz spezifische Organe, anscheinend infolge von Oberflächeneigenschaften der Krebszellen. Je nach Lokalisation und Typ unterscheidet sich der Ausbreitungsweg ebenso wie der Ort des Andockens der abgelösten Krebszellen.
Die grundlegende Methodik ist noch nicht vollständig erforscht, aber einige Ansätze zur Erklärung sind in unserem Großtext beschrieben, den ihr gerne anfordern könnt.

Häufig vorkommende Tumore bei Ratten
Mammatumore sind Gewebezu-bildungen des Gesäuges. Sie sind die bei Ratten am häufigsten auftretenden, meist gutartigen Tumore. Meist sind es Adeno rne (gutartige Geschwulst aus Schleimhaut o. Drüsengewebe) oder Fibroadenome (Unterart) , die zwar schnell sehr groß werden können, aber keine Metastasen bilden. Sie sind lange Zeit gut operabel, und erst wenn sie zu sehr gewachsen sind, kann es bei der OP wegen des hohen Blutverlustes (diese Tumore haben eine sehr gute Blutversorgung) zum Kreislaufzusammenbruch kommen. Nur etwa 10-15% sind Karzinome (von Haut- oder Schleimhaut-zellen ausgehender Krebs) oder Adenkarzinome (bösartiger Drüsengewebs-tumor). Der TA unterscheidet nach Tastbefund schon oft direkt zwischen den relativweichen, gut begrenzten und mit glatter Oberfläche zu fühlenden Fibro adenomen und den deutlich derberen Adenkarzinomen mit ihrer höckerigen Oberfläche. Bösartige Tumoren des Gesäuges metastasieren zunächst meist in die Lunge, was dann nicht operabel ist und daher letztendlich tödlich endet. Bei Ratten reichen Mammatumore oft bis in die Achsel oder den Nacken, da bei dieser Tierart ein ausladendes Drüsengewebe vorhanden ist

Ein weiterer sehr häufig vorkommender Tumor bei weiblichen Ratten ist der Hypophysentumor (eine Geschwulst der Hirnanhangdrüse, die für Hormonbildung zuständig ist). Wenn diese Geschwulst größer wird (und im Kopf ist ja nicht viel freier Raum), kann das verschiedene neurologische Ausfälle bewirken: ein Verlust der Koordination, sogar Lähmungen treten auf. Oft beobachtet man, dass die betroffenen Ratten zunächst die Arme steif ausgestreckt halten, später auch die Beine. Andere Symptome wie Lethargie, sich-im-Kreis-drehen, Schiefhaltung des Kopfes usw. können auch auf diese Tumorart hindeuten, treten aber auch bei anderen Ursachen auf und sind daher keine sichere Krebsdiagnose. Ein gehirngängiges Antibiotikum, Sternide und Vitamin B kann man zunächst geben um ggf. andere Ursachen der Symptome zu bekämpfen, gegen einen Tumor jedoch hilft das nicht. Ein Hypophysentumor ist nicht operabel. Die Ratten können sich irgendwann nicht mehr selber ernähren und müssen euthanasiert werden.

Das Osteosarkom ist ein bösartiger Knochentumor, der neue Knochenmasse und unverkalkte Knochengrundsubstanz bilden kann. Das Osteosarkom zeichnet sich durch aggressives Wachstum mit Zerstörung des umliegenden Knochen und ggf. Gelenks aus. Es metastasiert oft frühzeitig auf dem Weg der Übertragung durch das Blut in die Lunge. Sind Gliedmaßen betroffen, kann man ggf. amputieren. Wegen der hohen Wahrscheinlichkeit, dass es bereits Tochtergeschwülste gibt, sollte man da aber zunächst röntgen lassen um zu klären, ob eine OP überhaupt noch eine Option für das Tier ist. Erfahrungsgemäß typische Stellen für Osteosarkome bei Ratten sind zum einen der Bereich zwischen den Ohren/zum Nacken hin, wo man dann eine sehr harte Beule fühlen kann, oder auch an den Hinterbeinen (wo ich es häufiger erlebt habe, dass es eher um Zerstörung des Knochens ging als dass sich sichtbare Eieulen gebildet hätten). Grundsätzlich kann diese Krebsart aber an allen Knochen auftreten.

Fibrosarkome (Krebs der Bindegewebszellen) sind im Gegensatz zu dem gutartigen Fibrom sehr bösartig, sie wachsen extrem schnell. Oft bilden sich schon neue Beulen durch die Metastasen, wenn die Fäden der ersten OP nicht einmal gezogen worden sind. Man kann diese Tumorart eigentlich nur effektiv entfernen, wenn man etwa 3 cm Gewebe darum herum mit entfernt - und das ist bei Ratten auf Grund der Größe ja schonmal nicht möglich. liier stellt sich die Frage, wieviele Operationen man dem Tier zumuten sollte oder wann man es erlösen lässt. Auch Fibrosarkome metastasieren meist als erstes in die Lunge, daher sollte man einen dortigen Befall durch einen Röntgenbefund abklären lassen, bevor man die OP-Entscheidung trifft.

Lymphosarkome sind Zellneubildungen des lymphatischen Systems, zu dem u.a. die Lymphknoten und das Knochenmark gehören. Teer wird als Ursache eine Immunstörung angenommen.

Lungenkrebs entsteht hei Ratten häufig durch Streuung bösartiger Tumore, die an anderer Stelle sitzen (z.B. Mamma-karzinome oder Fibrosarkome). Ob ursprünglicher Lungenkrebs eine häufiger bei Ratten auftretende Krebsart ist, ist uns nicht bekannt.

Fibrome sind gutartige Wucherungen von Bindegewebszellen, die in der Regel klar begrenzt sind. Je nach Ort des Auftretens müssen sie nicht behandelt werden, solange sie das Tier nicht beeinträchtigen. Für den Rattenhalter sind Fibrome daher eine bei vermeintlichen Beulen erfreuliche Diagnose. Bindegewebe (und somit auch mögliche Stellen für die Fibrome) findet man überall im Körper, es hält die Organe in ihrer Form, speichert Wasser, ist Schutzhülle und ist nicht zuletzt ein Ort, der bei der Abwehr von Krankheitserregern eine wichtige Rolle spielt. Lipome (auch Fettgeschwülste genannt) sind gutartige Neubildungen der Fettge-webszellen. Sie wachsen eher langsam und sind gut zur Umgebung ahgrenzbar. Je nach Bindegewebsanteil sind sie weich oder hart beim Tastbe fund. .Lipome entarten (werden bösartig) sehr selten. Die Ursache von Lipomen ist noch völlig unbekannt. Solange sie nicht auf Nerven oder Sehnen drücken, müssen sie nicht entfernt werden ähnlich wie bei den Fibromen. Lipome werden häufig bei übergewichtigen Tieren gefunden, wo sie bei Ratten häufig ausgeprägt im Nacken- und Zwischenschulterbereich, sowie am Hals zu finden sind. Natürlich können auch gutartige Tumore entarten und bösartig werden (streuen), daher ist zusammen mit dem TA gut abzuwägen, ob man nicht doch eine OP macht. Außerdem sollte man eine Fehldiagnose bei der Beurteilung über die Gut- oder Bösartigkeit des Tumors in Betracht ziehen und bedenken, dass die Entfernung eines noch kleinen Tumors ein kleinerer Eingriff ist als bei einem. schließlich auf evtl. beträchtliche Größe gewachsenen - bei einem dann ggf. auch noch deutlich älterem Tier.

Wie entsteht Krebs?

Grundsätzlich gesagt stimmt das Verhältnis zwischen dem Wachstum, der Teilung, der Reparatur und dem natürlichen Sterben der Zellen nicht (mehr). Krebs ist im Wesentlichen eine Erkrankung, bei der eine Gruppe von Zellen unkontrolliert wächst. Wodurch es zu diesem unkontrollierten Wachstum kommt, ist heutzutage im Detail noch längst nicht bekannt. Obwohl Ratten zu den in der Krebsforschung am meisten missbrauchten Tieren gehören, ist die ernüchternde Erkenntnis vieler Versuche: "Unlängst haben Wissenschaftler herausgefunden, dass Forschung bei • Ratten Krebs erzeugt". Die meisten Tierversuche mit Ratten werden mit künstlich erzeugten oder eingepflanzten Tumoren durchgeführt. Dadurch sind viele Versuchsresultate von fragwürdiger Aussagekraft, da Krebserkrankungen untersucht werden, die unter normalen Umständen evtl. gar nicht aufgetreten wären. So ist bspv,7, Prostatakrebs eine Krebsart, die bei Ratten normalerweise eher selten auftritt, die aber in vielen Versuchen untersucht worden ist. Bei Krebs spielt immer eine Mutation, also eine Veränderung in der Erbinformation der beteiligten Zellen eine entscheidende Rolle. Je nach Krebsart, d.h. beteiligtem Zelltyp und Aggressivität des Wachstums sind verschiedene Ursachen bekannt

Krebserregende (Karzinogene) Chemikalien - Stoffe, die die Krebsbildung und das Wachstum auslösen oder beschleunigen. Eine Reihe von Chemikalien ist dafür bekannt, die Erbinformation in Zeilen zu verändern. Diese Chemikalien werden Mutagene genannt. Es gibt aber auch Stoffe, die krebsfördernd wirken ohne direkt mutagen zu sein. Solche Stoffe wirken beispielsweise durch Beschleunigung der normalen Zellteilungsrate krebsfördernd, da sich spontan auftretende Mutationen schneller auswirken können. Beispielsweise wurde in einer großen Anzahl von Versuchen die krebserregende Wirkung von Asbest bei Ratten nachgewiesen. Asbest löste dabei sowohl Lungenkrebs durch Inhalation, als auch Magen- und Darmkrebs bei Aufnahme über die Nahrung aus.

Für Phthalate, die gängigsten PVC Weichmacher, ist eine krebserregende Wirkung bei Ratten und Mäusen nachgewiesen. Phthalate sind im PVC nicht fest eingebunden und können bei Kontakt den Weg in den Körper finden. Bei der Auswahl des Rattenspielzeuges / der Häuser, Schlafboxen etc. sollte man also auch mal einen Gedanken daran verschwenden, ob Weichmacher in dem Teil enthalten sind.


Dass Tabak-Rauch krebserregend wirken kann, kann man mittlerweile auf jeder Zigarettenschachtel nachlesen. Genauso wie Für. Menschen ist also für Ratten mit ihren erheblich empfindlicheren Atmungsorganen das Passivrauchen mit ein hohen Krebsrisiko verbunden. Wenn man selbst also meint, unbedingt rauchen zu müssen, so sollte man das wenigstens dann in einem Raum tun, zu dem die Ratten keinen Zugang haben. Vitale oder bakterielle Infektionen - Infektionen durch Viren oder Bakterien können Krebs auslösen, z.B. können durch chronische Infektionen Veränderungen an Schleimhäuten hervorgerufen werden.

Hormonale Prozesse können z.B. durch Beschleunigung des Zellwachstums und der Zellteilung krebsfördernd wirken, da auch hier die Auswirkung spontan auftretender Mutationen verstärkt werden kann.Die Bildung von Gesäugetumo-ren ist wohl hauptsächlich östrogenabhängig (Östrogen ist ein „weibliches" Hormon). Da liegt die Idee nahe, dass man den Rättinnen frühzeitig die Eierstök-ke entfernen lässt, um das östrogenerzeugende Organ zu entfernen und somit diese Tumore zu verhindern. In einer Studie (sinngemäß zitiert von Ratbehavior.com) wurde dieser Zusammenhang wie folgt beobachtet: 49% der unkastrierten weiblichen Ratten in der Studie entwickelten Gesäugetumore, davon erkrankten 8.2% an Brustkrebs, und 66% entwickelten Hypophysen Tumore während nur 4% der kastrierten weiblichen Ratten gutartige Gesäugetumore bekamen, keine davon Brustkrebs und (ebenfalls) 4% erkrankten an Hypophysen Tumoren. Vor einer Kastration gibt es einiges Für und Wider zu bedenken, denn solch eine OP garantiert nicht automatisch ein längeres Leben, so offensichtlich der Zusammenhang zwischen Östrogen und Mammatumoren auch zu sein scheint: diese OP hat keinen Einfluss auf die Entstehung nicht-östrogen-bedingter Tumore, geschweige denn auf andere Krankheiten. Daher kann man nicht diese eine OP gegen eine Krebs-()P abwägen, es können nach wie vor alle anderen Krebsarten auftreten, auch wenn das Risiko an Mammatumoren zu erkranken durch eine Kastration
reduziert wird.
Unklar und nicht in der Studie erfasst sind evtl. Nebenwirkungen durch die Störung des Hormonhaushalts in Folge der Kastration. Zwar untersucht die Studie die Auswirkung von Kastration auf die Mammatumor-Wahrscheinlichkeit, aber andere Effekte wurden hier nicht eingehender beobachtet. So spielt das Hormon ()strogen bei der Gehirnentwicklung eine wichtige Rolle.

Da die Mammatumore direkt unter der Hautoberfläche liegen, ist deren Entfernung nicht ein so extremer Eingriff wie die der tief im Körper liegenden Eierstöcke. Es sind „leichtere" Operationen, aber trotzdem mit allen Risiken. Vererbung - Die Anfälligkeit für bestimmte Krebsarten ist vererbbar. So werden für Tierversuche bestimmte 'Rattenlinien' gezüchtet, bei denen spezielle Tumorarten gehäuft auftreten. Je nach Zuchtlinie variiert diese Anfälligkeit bei einer Tumorart (z.B. zwischen 17 und 75% bei Mammatumoren) extrem. Dabei muss man auch noch bedenken, dass es sich hierbei nicht um die genetisch noch viel unterschiedlicheren „Haustierratten" handelt, sondern eben um spezielle Zuchtlinien. Spontane Mutation - Bei der Zellteilung entstehen bis zu einem gewissen Grad immer Veränderungen in der Erbinformation. Die meisten dieser Veränderungen bleiben ohne Auswirkung, da sie von der Zelle selbst repariert werden oder sie abstirbt. Ein gewisser Anteil der so entstehenden Zellen kann aber krankhafte Veränderungen aufweisen.

Der Einfluss der Ernährung auf die Krebsentstehung

Neben krebserregenden Stoffen in der Nahrung infolge von Umweltverschmut-zung und Anbaumethoden, also durch Düngung oder Pestizideinsatz, kann auch die Nahrung selbst die Krebsentstehung begünstigen. So deutet eine Reihe von Studien und Versuchen darauf hin, dass eine eiweißreiche Ernährung (v.a. ein Übermaß an tierischen Proteinen) die Entstehung von Krebs begünstigen kann. Zumindest für Mammatumoren ist in einer Reihe von Versuchen nachgewiesen worden, dass eine fetthaltige Ernährung die Entstehung begünstigt und die Entstehung von Metastasen fördert. Auch gibt es Hinweise darauf, dass ein hoher Anteil von Omega-3 Fettsäuren an der Gesamtmenge der aufgenommenen Fette eine krebshemmende Wirkung hat.


Der Einfluss von Umgebungsfaktoren auf die Krankheitsentstehung und ihren Verlauf

Wie wir oben bereits erwähnt haben, kann eine Reihe von Umweltgiften Krebs hervorrufen. Krebserregende Stoffe werden über das Trinkwasser, die Nahrung, über die Atmung und auch über direkten Kontakt vom Körper aufgenommen.

Dabei sind natürlich viele Gefahrenquellen nicht ersichtlich. Inwieweit die Umgebung auf mögliche Gefahren untersucht werden sollte und Gefahrenquellen ausgeräumt werden können ohne paranoid zu werden, bleibt letzten Endes jedem selbst überlassen. Aber auch Stress und Einsamkeit können die Krebsentstehung fördern: So konnte für Ratten in Isolation eine um 35% erhöhte Anzahl von Tumoren bei ebenfalls erheblich größerer Größe der Tumore beobachtet werden. In dieser Studie wurde festgestellt, dass alleinlebende Tiere einen erheblich höheren Ausstoß an Stresshormonen (Corticosteron) haben, verglichen mit Ratten, die in Gruppen lebten. Die isolierten Ratten brauchten zudem länger, um sich nach einer stressigen Situation, wie der Konfrontation mit dem Geruch eines Feindes, zu beruhigen.

Therapieansätze

Die Krebstherapie hat verschiedene Ansatzpunkte: Chemisch (durch Injektionen oder Tabletten), chirurgisch (Operationen), durch Strahlung oder durch Nahrung. Im chemischen Bereich kann das durch Medikamente geschehen, die Gefäßneubildungen hemmen, Rezeptoren blockieren, in den Stoffwechsel des Tumors eingreifen (und dadurch das Wachstum hemmen) oder der Krebsstammzellenforschung (noch sehr im Anfangsstadium). Während bei Ratten eine Strahlentherapie nicht in Frage kommt (zum einen hat kaum ein Tierarzt entsprechende Geräte, dann ist es ohne eine belastende Narkose bei einem Tier nicht machbar und zum anderen wäre es auch viel zu teuer), gibt es bei den beiden anderen Therapieansätzen mehrere Varianten.

In der Chirurgie kann - je nach Sitz des Tumors- eine Entfernung in Betracht gezogen werden, aber es kann durchaus auch einmal eine Amputation von Teilen oder auch des ganzen betroffenen Arms oder Beins nötig werden. Das ist natürlich eine sehr radikale Methode und eine eingreifende Veränderung für das Tier. Zusammen mit dem Tierarzt sollte gut abgewogen werden, ob die Maßnahme sinnvoll ist.

Bei Therapien im chemischen Bereich gibt es die meisten Varianten. Konkret auf Ratten bezogene geprüfte Statistiken lassen sich schwer finden. Selbst wenn, wurden die Mittel nur an verschiedenen Zuchtstämmen im Labor untersucht, und selbst da gibt es schon immense Differenzen bei den Ergebnissen. Wie viel mehr muss das dann bei den genetisch viel variableren Heimtierratten sein!

Eine eventuelle Hoffnung in der Krebstherapie stellt der Einsatz der Nanotechnologie dar, bei dem es einfach darum geht, Zellgifte oder andere therapeutische Chemikalien durch Kleinstpartikel gezielt in betroffenes Gewebe einzuschleusen.

Ein Mittel, das man bei den beiden hormonbedingten Tumoren (Mamma-und Hypophysentumor) verabreichen kann, ist Tamoxifen. Die Wirkung ist nicht unbedingt eindeutig nachgewiesen (es gibt unterschiedliche Erfolgsquoten), aber einen Versuch ist es allemal wert, zumal es billiger ist und weniger stressig für das Tier. Bei den Ratten, bei denen eine OP aus anderen Gründen nicht in Frage kommt, ist es daher das Mittel der Wahl. Tamoxifen blockiert die ()strogen-rezeptoren (-andockplätze) im Gewebe. Es muss über mehrere Wichen gegeben werden, auch wenn man zunächst keinen sichtbaren Erfolg hat. Ein nicht ganz harmloser Nebeneffekt von Tamoxifen ist die Blutgerinnungs-hemmung. Bei einer dann doch noch geplanten OP muss das Mittel etwa 14 Tage vorher abgesetzt werden. Auch kann es z.B. bei Verletzungen im Auslauf durch eine nur schlecht zu stoppende Blutung zu Problemen kommen.

Eine Alternative zu Tamoxifen wäre Leuprolide, welches die Freigabe von Östrogen blockiert. Dieses Mittel ist ziemlich teuer, soll aber effektiver sein und eine Depot-Spritze wirkt für einen Monat. Droloxifen ist als weitere Alternative zum Tamoxifen erforscht worden und soll im Gegensatz zu diesem (bei hochdosierter Gabe!) nicht nachweisbare Leberschäden verursachen. Die histologische Auswertung ist nach unseren Informationen allerdings noch nicht abgeschlossen. Andere hoffnungsgebende Therapeutika könnten sogenannte Kokzidiostatika sein. So sind unlängst die krebsbekämpfenden Eigenschaften des Antibiotikum Salino-mycin, ein aus der Tiermast bekanntes Antibiotikum, beschrieben worden.

In Laborversuchen scheint man gute Erfahrungen mit Linolsäure (CLA) gemacht zu haben. Als Nebeneffekt wurde eine Gewichtsreduzierung beobachtet. Wäre also nichts für alte Ratten, für die eine Alternative zur OP gesucht wird. Linolsäure kommt in vielen Fetten vor, so vor allem in Sojaöl, aber auch in Sonnenblumenöl und Maiskeimöl, weniger in Olivenöl.

Diät halten ist immer wieder im Gespräch, um Krebs vorzubeugen. Da gibt es z.B. Studien, in denen das intermittierende (unterbrochene) Fasten bei den Versuchstieren ein deutlich reduziertes Tumorwachstum sowohl bei eingepflanzten, als auch induzierten Tumoren bewirkt und die Überlebenszeit bei tumorösen Ratten erhöht wird. Je 24 Stunden im Wechsel bekommen die Tiere so viel zu essen, wie sie mögen, den anderen Tag lang bekommen sie gar nichts (außer Wasser natürlich). In wie weit das in der Praxis bei älteren Tieren machbar ist, damit sie keine Kreislaufprobleme bekommen, sei dahingestellt. Bei Laborratten, die sich ja so gut wie nicht bewegen können, wird es vielleicht machbar sein.

Ein anderer Ansatz ist eine Fütterung mit Nahrung, die wenig Fett und wenig Kalorien enthält, dafür aber mit vielen Nah­rungsmitteln, die eine krebsverhindernde Wirkung haben sollen (Tomaten, Broccoli, Sojabohnenprodukte wie Miso). Letzteres soll, zusammen mit Tamoxifen gegeben, laut D. Ducommuns Erfahrungen in „Rat liealth Care", 100%ig vorbeugend gegen Tumore sein.

Es gibt einige Erfolge bei verschiedenen Diäten, aber auch noch mehr enttäuschte Hoffnungen wie bei der Homöopathie (bei der man ja auch Globuli oder Tropfen gibt). Während durch die erhöhte Zuwendung bei der Verabreichung vielleicht auf psychischer Ebene bei dem Tier etwas erreicht werden kann, so sind bei ernsten Erkrankungen keine nachweisbaren Erfolge dokumentiert. Auch wenn bei Menschen der Placeboeffekt durchaus eine Wirkung erzielt, ist das bei Tieren ja nicht gegeben. Im Gegenteil kann wertvolle Zeit verloren gehen, in der das Tier u.U. doch noch hätte operiert oder anders therapiert werden können.

Eine interessante Variante ist, dass Mäuse und Ratten bei der Gabe von Apfelsaft (trüber war wirksamer als gefilterter) bis zu 50% weniger Tumore entwickelten. Als Ursache werden die in trübem Apfelsaft in hoher Konzentration enthaltenen Procyanidine angenommen (Vgl. „Cancer chemopreventive potential of apples, apple juice, and apple components" von C. Gerhauser und „Prevention of colon carcinogenesis by apple juice in vivo: impact of juice constituents and obesity" von TC Koch u.a.). Für das tägliche Leben ist das eine vielversprechende Idee, denn Apfel bekommt man ja das ganze Jahr über recht preiswert und stehen meist eh auf dem rattigen Speiseplan.

Fazit: Hier in Deutschland ist eine Operation bei raffigem Krebs nach wie vor das erste Mittel der Wahl. Medikamente wie Tamoxifen, Behandlung/ - sunterstützung durch Diäten etc. sind weitgehend unbekannt. Die amerikanischen und englischen Rattenvereine sind da offensichtlich einen Schritt weiter mit Behandlungsalternativen. Gerade für- aus welchen Gründen auch immer - nicht mehr operable Tiere hoffen wir, Perspektiven aufgezeigt zu haben. Insbesondere würden wir diesen Artikel gerne als Bitte verstehen, uns weitere Berichte über erfolgversprechende Medikamente und Behandlungsverfahren, sowie eigene Erlebnisse zuzusenden. So können die Erfahrungen in einer späteren Dokumentation bekannt gemacht und somit später vielen betroffenen Ratten geholfen werden.

Nachsatz: Während unserer Recherchen zum Thema sind wir immer wieder auf Forschungen gestoßen, die ein unfassbares Tierelend schufen. Quälereien., deren Nutzen nicht nur fragwürdig ist, sondern wo von vornherein klar ist, dass die Ergebnisse nicht auf den Menschen übertragbar sind (Vgl. http://www:perm.org/ reseh/anexp/rats.html). Nicht im 'sonst haben sich Gruppen wie „Ärzte gegen Tierversuche" gebildet. Wegen der Krankheitsbehandlung am Tier selber wird so gut wie gar nicht geforscht. Tierversuche werden zum einen in der Ähnlichkeit von Tier und Mensch begründet, aber im gleichen Atemzug findet eine moralische Rechtfertigung mit Verweis auf die Unterschiedlichkeit zwischen den beiden Lebewesen statt. Ein Widerspruch, der nicht nur grotesk und anmaßend ist, sondern in dem so unendlich viel Leid begründet ist. Nicht alleine das, es finden auch immer noch Doppel-und Mehrfachversuche statt, die im Tierschutzgesetz eigentlich verboten sind (außer sie sind unerlässlich ... ein leider extrem schwammiger Begriff). Ein in unseren Augen unhaltbarer Zustand, den wir ablehnen, und von dem wir uns ausdrücklich distanzieren.

Rattatui (S. Grams) H. Wittke