Ergebnisse der Käfigumfrage

Große Resonanz auf die Käfigumfrage des VdRD
Von Katja Scheunemann

Im letzten Jahr führte der VdRD (Verein der Rattenliebhaber und –halter in Deutschland e. V.) eine großangelegte Umfrage über Rattenkäfige durch. Hintergrund der Umfrageaktion war, dass im Handel immer noch kaum für Farbratten geeignete Käfige erhältlich sind. In Gesprächen mit Käfigherstellern hatte sich gezeigt, dass die tatsächlichen Bedürfnisse von Ratten, aber auch von anderen Nagetieren und die Ansprüche der Tierhalter, weitgehend unbekannt waren.

Mit dem Fragebogen wurden detailliert die Meinungen von Rattenhaltern rund um den optimalen Käfig abgefragt. Zu beantworten waren 27 Fragen zu Rattenkäfigen sowie einige Fragen zur Statistik. Teilnehmen konnte jeder Rattenhalter, nicht nur VdRD-Mitglieder. 573 Rattenhalter schickten einen vollständig ausgefüllten Fragebogen zurück. An dieser großen Teilnehmerzahl ist erkennbar, dass ein großes Interesse an der Thematik "Käfig" besteht. Neben den Fragebogen gingen auch Briefe und Anmerkungen von Rattenhaltern und anderen Nagetierhaltern ein, letztere blieben bei der Auswertung jedoch unberücksichtigt.

Ergebnisse der Umfrage

Die Mehrheit der Teilnehmer (51,48%) nutzen für ihre Farbratten Käfige mit überwiegend selbstgebauten Teilen oder gleichzeitig handelsübliche und selbstgebaute Käfige. Von den Käufern der handelsüblichen Käfige wurde häufig angemerkt, dass sie ihren Käfig nicht als besonders rattengeeignet empfinden: Der Zoofachhandel biete nur schlecht geeignete Käfige zum Verkauf an und so wurde schließlich ein Käfig ausgewählt, der als am wenigsten schlecht für die Rattenhaltung erschien. Das heißt, viele Käfige werden in Zoofachhandlungen gekauft, weil für die Ratten eine Unterkunft benötigt wird und nicht, weil der jeweilige Käfig als gut geeignet bewertet wird.

Auch von den Käfigselbstbauern werden die handelsüblichen Käfige negativ bewertet. Als Gründe für den Eigenbau des Rattenkäfigs, gaben 68,42 % an, käufliche Käfige seien zu klein und 63,56 % finden, Käfige könnten wegen zu kleiner Türen schlecht eingerichtet und gereinigt werden. Am dritthäufigsten wurde die Konstruktion der Käfige für schlecht befunden (60,32 %). Als zu teuer empfinden 53,04 % die käuflichen Käfige. Anmerkungen zu dieser Frage wurden viele notiert, z. B. dass rattengerechte Käfige schwer zu finden seien und die Gitterabstände für Ratten oft zu groß seien. Außerdem könne man keine passenden Einrichtungsgegenstände in Zoohandlungen finden und selbstgebaute Etagen und weiteres "Rattenmöbilar" würde nicht durch die zu kleinen Türen passen, was das Reinigen des Käfigs erschwere oder teilweise unmöglich mache.

Was die derzeitige Unterbringung der Ratten angeht, wurde von den Teilnehmern der Umfrage mit 18,59 % am häufigsten ein gekaufter oder selbstgebauter Käfig in der Größe 220 – 319 Liter Innenvolumen angegeben. In einem Käfig dieser Größe leben durchschnittlich 2,67 Ratten. Zweithäufigste Unterbringung der Ratten ist in einem Käfig der Größe 320 – 419 Liter Volumen (17,17 % der Nennungen), wobei im Schnitt 3,03 Ratten untergebracht sind. Die dritthäufigste Nennung ist ein Käfig von 420 – 519 Liter (12,18 %), wobei sich hier im Mittel 3,67 Ratten den Käfig teilen. 7,05 % der von Rattenhaltern genutzten Käfige haben ein Volumen zwischen 520 und 619 Liter Volumen bei einer Tierbesetzung von durchschnittlich 4,30 Ratten. 25,32 % der von den Teilnehmern genannten Käfige haben mehr Inhalt als 619 Liter (Rattenanzahl im Schnitt 5,53).

Wer wissen will, wieviel Volumen der eigene Käfig hat, kann es wie folgt ausrechnen: Maße des Käfigs (L x B x H) in Zentimeter multiplizieren und durch 1000 dividieren bzw. 3 Stellen wegstreichen.

53,75 % der Teilnehmer der Umfrage bejahten die Frage, ob sie gern für den vorhandenen Käfig ein passendes Möbelstück zum Aufstellen des Käfigs hätten. 82,17 % derjenigen würden einen Unterschrank mit geschlossenen Fächern als Stauraum und 77,13 % ein Möbelstück mit Rollen bevorzugen. Als passende Farben wurden verschiedene Holztöne am häufigsten genannt (über 60 %). Für 81,46 % ist klar, dass der optimale Rattenkäfig eher in die Höhe als in die Breite gehen soll.

Äußerst interessant ist das Ergebnis zu der Frage, wie groß ein optimaler Käfig aus Sicht der Rattenhalter sein sollte. Eine große Mehrheit, nämlich 57,09 % der Halter, würde für zwei bis vier Ratten einen Käfig von 576 Liter Inhalt, was z. B. den Maßen 80 x 60 x 120 cm (LBH) entspricht, auswählen. Noch größer, mindestens 612 Liter Volumen, sollte der Käfig nach Auffassung von 23,75 % der Teilnehmer sein. Sind acht bis 15 Ratten unterzubringen, wird von 36,46 % ein Käfig mit 1100 Litern Innenvolumen und den Maßen 100 x 55 200 cm (LBH) bevorzugt. Etwas weniger (32,71 %) würden die Maße 120 x 60 x 150 (1080 Liter) vorziehen und 8,75 % sprechen sich für einen Käfig aus, der deutlich mehr als 1100 Liter Volumen aufweist - und das, obwohl hiefür kein Kästchen zum Ankreuzen vorgesehen war.

Zum nächsten spannenden Thema, der Türgestaltung, ist das Ergebnis ebenso eindeutig wie bei der Käfiggröße: Eine Kombination aus einer großen, ganzseitigen Tür und mehreren kleineren Türen nach dem Prinzip "Tür in der Tür" wird von 67,18 % aller Teilnehmer für optimal gehalten, während 13,75 % eine ganzseitige Tür an der Vorderseite des Käfigs ausreicht. 559 mal wurde angekreuzt, die Tiere sollten die Käfigtüren nicht aufmachen können und 524 mal, dass sie für Menschen einfach zu öffnen sein sollten. Nur 66 mal wurde angekreuzt, das Design der Käfigtür sei wichtig. Klapptüren, die nach rechts oder links zu öffnen sind, werden von 38,13 % als gut befunden, 31,25 % wünschen sich Türen, die nach unten klappbar sind.

Insgesamt wurden zu den Fragen zur Türkonstruktion sehr viele Anmerkungen unterschiedlichster Art gemacht. Offensichtlich haben viele Rattenhalter mit den Türen an herkömmlichen Käfigen Probleme. Zusammengefasst kann aufgrund der Anmerkungen festgestellt werden, dass bodennah Türen am Käfig montiert sein sollten, um den Ratten Auslauf gewähren zu können. Die Türen sollten stabil und nicht leicht zu verbiegen sein; von ihnen darf keine Verletzungsgefahr für die Ratten ausgehen und alle Etagen müssen für den Rattenhalter durch die Türen erreichbar sein. Außerdem wird gewünscht, dass die Öffnungsvorrichtungen zudem nicht klemmen und rostfrei sind.

Dass waagerechte Gitterverstrebungen an allen Seiten des Käfigs optimal sind, wird von 56,46 % bestätigt. 23,54 % gaben an, auch eine Kombination von waagerechten und senkrechten Gittern sei akzeptabel. Das seit langem in der Käfigproduktion für Bodenschalen verwendete Material Plastik halten 68,33 % für gut geeignet. Es ist jedoch auch eine Nachfrage nach Bodenschalen aus Aluminium bzw. rostfreiem Metall vorhanden (22,08 %).

Was die Farben der Bodenschalen angeht, so zeigt sich, dass bisher in Zoohandlungen angebotene Farbvarianten nicht den Bedürfnissen des Rattenhalters gerecht werden: 84,17 % (!) würden am liebsten eine natürliche Farbe auswählen. Neben der klassischen Farbe dunkelbraun (23,76 %) wurden am häufigsten Farben mit südländischem Flair wie terrakotta (16,58 %), cremefarben (14,60 %), dunkelgrün (11,63 %) sowie transparent (auch 11,63 %) und Holzimitat (7,43 %) genannt. Diejenigen, die eher eine intensive Farbe als schön empfinden, entschieden sich für dunkelblau. Alle anderen Farben wurden fast gar nicht genannt.

Von Käfigen, die sich erweitern lassen, indem an einen Basiskäfig weitere Module angefügt werden, haben 42,92 % bereits etwas gehört. Gesehen wurde diese noch recht neuartige Käfigvariante bisher nur von 20,63 %. Insgesamt wird diese Käfigidee von 72,50 % für gut oder sehr gut gehalten. Allerdings muss dieses Ergebnis kritisch gedeutet werden, da dieses Modell vor allem von Umfrageteilnehmern, die diese Käfige noch nicht gesehen haben, positiv beurteilt wurden. Überwiegend Rattenhalter, die diese Käfige bereits gesehen hatten, halten sie für gut, aber verbesserungswürdig.

Eine weitere Möglichkeit, den Käfig bei Bedarf zu vergrößern oder abzuteilen, ist, auf den vorhandenen Käfig ein weiteres Gitterteil zu stellen. Daher halten 76,67 % eine Tür oben im Käfig für sinnvoll. Von 77,29 % der Befragten werden zerlegbare, stabile Käfige, die per Post direkt ins Haus geliefert werden, als sehr gute oder gute Alternative angesehen. Da inzwischen oft Volieren als Rattendomizil zweckentfremdet benutzt werden, wurde auch das Meinungsbild hierzu abgefragt. Demnach sind bei Volieren Flachdächer sehr begehrt bei Rattenhaltern. Eine Käfigoberseite aus Gitterdraht wird von 48,33 % bevorzugt, aber auch für Volieren mit lackierten Flachdächern aus Stahlblech würden sich (Kauf-)Interessenten (28,54 %) finden. In die Stabilität von handelsüblichen Käfigen haben übrigens nur 29,94 % der Befragten uneingeschränktes Vertrauen, während 69,10 % äußerten, die Käfige seien völlig oder teilweise instabil.

Käfigzubehör

Was das Käfigzubehör für Ratten und andere Kleinnager betrifft, wurde bereits in Fachkreisen und bei Tierhaltern festgestellt, dass nur sehr wenig über den Zoofachhandel erhältlich ist und man oft eher im Baumarkt fündig wird. Die Umfrage bestätigt, dass von Seiten der Rattenhalter eine große Nachfrage nach Käfigzubehör vorhanden ist. Zur Einrichtung von Zwischenetagen im Rattenheim fehlt es laut 87,11 % an passenden (Eck-)brettern zur Befestigung am Gitter. Ebenfalls oft gesucht, doch bisher noch nicht gefunden, sind (Plastik-)Häuser mit Boden zum Hängen an Gitterstäbe. 75,83 % meinen, diese sollten in rattengerechter Größe angeboten werden. Auch Plastikbodenschalen sollten nachkaufbar sein, meinten 54,58 %.

Die Frage, was ein Rattenhalter für einen wirklich guten Käfig für bis zu vier Ratten ausgeben würde, wurde in 30 DM (15,34 €)-Schritten abgestuft. Von zehn möglichen Antworten entfielen 20,42 %, auf die Preisspanne 143-158 € und 18,13 % der Rattenhalter würden zwischen 128 und 143 € für einen Käfig ausgeben. Von vielen werden jedoch auch deutlich höhere Verkaufspreise akzeptiert, so dass der Durchschnittspreis sich bei 162 € einpendelt.Viele Rattenhalter sind mit ihren derzeit genutzten Käfigen nicht zufrieden. Diese Unzufriedenheit spiegelt sich darin wider, dass 33,75 % der Befragten sofort den vorhandenen Käfig durch einen neuen, wirklich guten Käfig ersetzen würden. Innerhalb der nächsten zwölf Monate wären weitere 45,42 % bereit, einen neuen, rattengeeigneten Käfig zu kaufen. Rattenbegeisterte Menschen finden sich mittlerweile bei jung und alt. Das Durchschnittsalter der Umfrageteilnehmer liegt bei 27,36 Jahren, wobei die 19-25jährigen (35,63 %) und die 26-35jährigen (31,67 %) am stärksten vertreten sind.

Der optimale Käfig

Fazit: Der optimale Käfig für 2-4 Farbratten ist mindestens 120 cm hoch, hat eine Grundfläche von cirka 60 x 80 cm oder größer und an allen Seiten waagerechte, gegen Urin unempfindliche Gitterstäbe. An der Vorderseite befindet sich eine ganzseitige Tür und in dieser Tür weitere kleinere bis mittelgroße Türen. Die Bodenschale hat einen Naturfarbton, wie z. B. cremefarben, terrakotta, braun, dunkelgrün oder ist transparent. Das verwendete Material ist Kunststoff oder rostfreies Metall. Zusätzlich sind passende Etagenbretter zum Einhängen oder –schieben und entsprechend große Hängehäuser erhältlich.